Zukunft Ökostrom? – So geht es in Deutschland weiter

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Auch die Politik geht in die Sommerpause. Doch vorab will sie noch einen entscheidenden Schritt in Richtung „Grüne Energiereform“ unternehmen. Nachdem SPD und CDU die letzten Streitigkeiten zum EEG-Gesetz ausgeräumt haben, wird nun über die Änderung des Gesetzes abgestimmt. Vor allem Bürgerprojekte können entgegen aller Befürchtung profitieren.

Windkraftanlagen in grüner Natur

Bild: Keine reine Utopie mehr: Deutschland bereitet sich mehr und mehr auf die Energiewende vor. Bildquelle: giSpate – 110700254 / Shutterstock.com

Die Abgeordneten des deutschen Parlaments stehen vor einer verdienten Pause von der Politik, die aber natürlich nicht vollständig zum Erliegen kommen wird. Bevor es jedoch soweit ist, wird der Bundestag noch über die EEG-Reform abstimmen – und zwar im Eilverfahren. Da sich die große Koalition nunmehr einigen konnte, steht einer schnellen Verabschiedung des neuen Gesetzes eigentlich nichts mehr im Wege, vorausgesetzt, dass auch die EU das Gesetz billigt und ein etwaiger Vermittlungsausschuss des Bundesrates die Verabschiedung nicht verzögert.

Infografik zur EEG-Reform

Infografik: Nachhaltigkeit ist das große Stichwort der EEG-Reform. Infografiquelle: energieinitiative.org

Aber worum geht es bei der Reform konkret? Bereits ab dem nächsten Jahr soll die Förderung von Ökostrom gänzlich umgestellt werden. Bislang hatte man Ökostrom-Anbietern eine feste Vergütung für die bereitgestellte Strommenge zugesagt. Dies soll sich nun ändern. Soll heißen: Wer seinen weitestgehend umweltneutralen Strom auf dem Markt anbietet, muss sich an einer Ausschreibung beteiligen.

Was bestimmt die EEG-Umlage?

Die EEG-Umlage dient der Förderung des Ausbaus von Regenerativer-Energie-Anlagen in Deutschland. Hierunter fallen Solar-, Wind- und Biogasanlagen, die am Markt derzeit noch nicht mit klassischen Kohlekraft- und Atomanlagen konkurrenzfähig sind. Um Investitionen dennoch attraktiv zu gestalten, wurde den Anbietern bislang ein fixer Abnahmepreis garantiert, der deutlich über dem gehandelten Börsenpreis an der EEX lag. Die Differenz von Börsenpreis und garantiertem Abnahmepreis wird aktuell vom Endkunden über die Stromrechnung beglichen.

Und hier gilt bekanntlich nach liberalen Grundsätzen der Wettbewerb als oberstes Regulierungsprinzip. Wer also den günstigsten Strom anbietet und am wenigsten Subventionen verlangt, erhält letztendlich den Zuschlag. Die Politik reagiert damit auf den horrenden Anstieg der Kosten beim Ökostromausbau. Immerhin haben Stromverbraucher alleine im letzten Jahr 25 Milliarden Euro in die Energiewende investiert.
Doch auch wenn die Ausschreibungen bereits ab 2017 gelten sollen, wird die Gesetzesreform voraussichtlich erst 2019 greifen. Zuschulden ist dies auch der langen Vorlaufzeit für neue Windanlagen auf dem Lande. Während sich vor allem Verbraucher freuen dürften, befürchten Experten, dass gerade Bürgerprojekte gegen die Großkonzerne das Nachsehen haben werden. Dies muss aber nicht sein.

Private Ökostromprojekte werden bevorzugt

Bis 2025 soll der Anteil von Ökostrom an der gesamten Stromerzeugung in Deutschland mindestens 40 Prozent betragen, 2035 soll dieser Wert nochmals um 25 Prozent auf 65 Prozent ansteigen. 1990 hatte der Anteil von Strom aus Erneuerbaren Energien an der Gesamtstromproduktion in Deutschland 3,4 Prozent betragen. 2014 waren es immerhin schon 27,4 Prozent, wie das Stromportal energiesparcheck.de berichtet.
Folgerichtig also, dass die Energiewende beträchtliche Anstrengungen der Privatwirtschaft verlangt, die eifrig in das Zukunftsmodell „Grüner Strom“ investieren muss. Aber dies bringt auch Vorteile für viele Deutsche mit, immerhin stellen die Ökostrom-Anbieter alleine hierzulande über 370.000 Arbeitsplätze bereit. Für andere Bürger und Bürgerprojekte ist das Drängen der Großkonzerne auf dem deutschen Strommarkt aber nur bedingt erfreulich.

Denn viele Privatpersonen befürchten, aufgrund der Markterfahrungen und professionellen Unternehmensstrukturen mit ihren Bürgerenergieprojekten nicht mehr konkurrenzfähig zu sein, wenn zukünftig die marktwirtschaftlichen Mechanismen auf dem Ökostrommarkt greifen. Doch auch die Politik war sich dieses Problems bewusst und hat Vorkehrungen getroffen. Der CSU-Abgeordnete Josef Göppel sagte: „Die Tür für die Bürgerenergie bleibt offen.“ Doch was heißt das?



  • Auch Bürgerprojekte müssen sich zukünftig an Ausschreibungen beteiligen, allerdings wird derartigen Stromprojekten automatisch die höchste Vergütung garantiert, die von der Ausschreibung zugelassen wurde, auch wenn das Projekt mit einem günstigeren Preis in die Ausschreibung ging.

  • Bürgergenossenschaften sollen zu Beginn einer Ausschreibung keine Emissionsschutzgenehmigung vorlegen müssen, die von Großkonzernen weiterhin verlangt wird, aber auch mit horrenden Kosten verknüpft ist.

  • Die sogenannte Mieterstrom-Regelung befreit Mieter, die in Häusern mit installierten Solaranlagen leben, von der Ökostromanlage. Die Festsetzung des Strompreises kann zudem unabhängig durch den Konsens von Vermieter und Mietern erfolgen.


Neuer Ausbauplan für Offshore- und Onshore-Anlagen

Mit der Gesetzesreform gehen auch Änderungen einher, die den Ausbau von Windparks auf dem Lande und zu See betreffen. Vor allem soll der Ausbau neuer Anlagen mehr mit dem Netzausbau korreliert werden, der derzeit noch dazu führt, dass zwar ausreichend Ökostrom produziert wird, der Strom aufgrund eines unzureichenden Netzes aber nicht immer dorthin transportiert werden kann, wo dieser eigentlich benötigt wird.

Insbesondere gelte dies für Industrie- bzw. Gewerbegebiete, wo der Strombedarf bekanntlich höher ausfällt als in privaten Wohnsiedlungen. Daher soll insbesondere der Ausbau von Windkraftanlagen auf dem Land eingedämmt werden, um den begrenzten Netzkapazitäten Rechnung zu tragen. Aber dennoch: Insgesamt bleibt das Ziel der Politik bestehen, bis zum Jahr 2030 15 Gigawatt Windleistung aus Offshore-Anlagen zu generieren.

Onshore-AnlagenOffshore-Anlagen
2017, 2018 und 2019 will die Politik jährlich insgesamt 2.800 Megawatt brutto ausschreiben, die aus 1.000 Windrädern stammen sollen.730 Megawatt sollen jährlich über Offshore-Anlagen gedeckt werden. Dabei soll die Ausschreibungsmenge gleichmäßig auf die Jahre 2021 bis 2030 verteilt werden.
Zum 1. Juni 2017 soll die Förderung neuer Windparkanlagen einmalig um fünf Prozent reduziert werden. Um jedoch Marktverzerrungen zu unterbinden, hat sich die Politik auf einen „atmenden Deckel“ geeinigt.Um auch bei Offshore-Windanlagen zu verhindern, dass die produzierte Strommenge über der Netzkapazität liegt, ist die Stromproduktion an die Netzanbindung an das Land gekoppelt.

Die Politik einigte sich darüber hinaus auf eine Erhöhung der jährlichen Ausschreibungsmenge von 400 auf 600 Megawatt für Solaranlagen. In die Ausschreibungen werden nunmehr alle Anlagen miteinbezogen, die mindestens 750 Kilowatt produzieren. Demzufolge müssen sich auch größere Photovoltaikanlagen in Zukunft dem Wettbewerb stellen. Auf Drängen Bayerns werden auch Biogasanlagen ab 2017 in die Förderung aufgenommen. Für sie wurde ein Ausbau um 150 Megawatt pro Jahr für die ersten drei Jahre beschlossen.

Zugleich pochte die Politik darauf, den Ausbau des Netzes zu beschleunigen, um hierdurch möglichst schnell die Kosten für den Ausbau Erneuerbarer-Anergie-Anlagen zu drosseln. Dies soll derzeit vor allem die nördlichen Bundesländer betreffen, allem voran Schleswig-Holstein. Doch auch wenn die Ausbaumenge reduziert werden soll, fällt diese nicht gänzlich weg. Vielmehr sollen diese auf andere Regionen in Deutschland verteilt werden. Die Energiewende befindet sich also durch die Gesetzesreform weiterhin auf einem guten Weg.

Bildquelle: giSpate – 110700254 / Shutterstock.com

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Toni Pavicic
Toni leitet das Portal Energieinitiative.org, setzt sich persönlich für regenerative Energien, den Umweltschutz und die Umwelt ein. Mit dem Portal Energieinitiative.org verfolgt er das Ziel, die Besucher zu informieren und das Umweltbewusstsein derselben zu stärken, um einen Dominoeffekt zu erzeugen.
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