WWF: übermäßiger Fleischkonsum treibt Klimawandel voran

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Die Naturschutzorganisation WWF sagt, dass die Essgewohnheiten der Deutschen „Öl für das Feuer“ bezüglich des Klimawandels sind. Sie haben auch ernste Konsequenzen für die Ernährungssicherung von Entwicklungsländern, wie EurActiv Germany behauptet.

Im Jahre 2050 wird der weltweite Nahrungsbedarf um 70 % steigen, wodurch auch der Bedarf an fruchtbarem Ackerland steigen wird.

In der Zwischenzeit essen die Deutschen exzessiv. Eine Studie des WWF zeigt, dass durchschnittlich 1.562 m² Land benötigt werden, um einen Bundesbürger zu ernähren. Und diese Zahl steigt kontinuierlich.

Weil Deutschland nicht genügend Ackerland besitzt, muss ein Viertel der deutschen Landmasse „praktisch importiert“ werden. Das bedeutet, dass das Soja für die kommerzielle Fleischerzeugung in Lateinamerika angebaut werden muss, während sich die Palmölplantagen für Schokolade und Kakao in Asien und Afrika befinden.

„Wir werden unseren Planeten kahl essen“, warnte WWF Analytikerin Tanja Dräger de Teran. „Wir müssen uns selbst fragen, für welche Nahrungsmittel wir unser Land verwenden. Wenn verfügbares Ackerland weiterhin schwindet, können wir uns diesen Lebensstil nicht länger leisten“, sagte sie weiter.

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Die Fleischproduktion setzt in Deutschland jährlich 161 Millionen Tonnen CO2 frei

Statistisch gesehen verzehrt jeder Deutsche jährlich 679 kg Nahrung. In dieser Zahl enthalten sind 52,6 kg Schweinefleisch, 19 kg Geflügel und 26 kg Rindfleisch. Der Rest besteht aus 95,5 kg Gemüse und Getreide, fast 71 kg Kartoffeln, 48 kg Zucker 110,5 kg Früchte und 119,9 kg Milchprodukte.

Laut WWF ist der hohe Anteil an tierischen Produkten wie Fleisch, Milchprodukte und Eier aus ökologischer und gesundheitlicher Sicht besonders kritisch. Die Produktion solcher Produkte verursacht jährlich mehrere Millionen Tonnen CO2. Die CO2 Emissionen, die durch die Nahrungsproduktion entstehen, betragen in Deutschland jährlich ungefähr 161 Millionen Tonnen. Das sind rund 17 % der gesamten deutschen CO2-Emissionen. Nach den Faktoren Strom und Verkehr befindet sich die Fleischproduktion unter den größten CO2-Erzeugern.

In den CO2-Emissionen enthalten ist Methan, das hauptsächlich vom Vieh erzeugt wird, Wasserverschmutzung und auch die Verschmutzung von Trinkwasser durch Überdüngung. Die Produktion von 1.000 Kalorien Geflügel benötigt 1.500 Kalorien aus pflanzlichen Rohstoffen, die in anderen Teilen der Welt dringend als Nahrungsmittel benötigt werden.

Was den Fleischverzehr angeht, befindet sich Deutschland in der EU mit einigen anderen Ländern auf der Spitze. Nur in Spanien, Österreich und Dänemark wird noch mehr Fleisch gegessen, was aus Statistiken hervorgeht, die von der Agricultural Market Information Company (AMI) erstellt wurden.

Laut WWF stehen rund 30 % der importierten Lebensmittel und Futtermittel im direkten Zusammenhang mit der Entwaldung, wie etwa in Südamerika.

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Den Fleischkonsum sollte man auf 350 Gramm pro Woche begrenzen

Auch in Deutschland verschwinden einst florierende Spezies, wie die Lerche und die Situation wird wohl noch schlimmer werden. Neuste Schätzungen zeigen, dass das weltweit verfügbare Ackerland bald auf 1.155 m² pro Person und Jahr schrumpfen wird.

In Koordination mit Ernährungswissenschaftlern hat der WWF ein Zukunftsszenario für 2050 mit einer Ernährungspyramide entwickelt, die eine ausgewogene Ernährung unter Berücksichtigung mit den auf der Erde verfügbaren Rohstoffen und Lebensmitteln zeigt.

„Unsere Ernährung sollte gesund sein und gleichzeitig die Umwelt und das Klima schützen. Die Ernährung sollte dabei zufriedenstellend sein und Spaß machen. Was zuerst wie ein Widerspruch aussieht, geht eigentlich Hand in Hand“, erklärt Dräger de Teran.

Die Studie besagt, dass der Fleischkonsum halbiert werden und 350 Gramm pro Woche betragen soll. Dabei sollen die Verbraucher darauf achten, dass sie tierfreundliches und organisches Fleisch auswählen.

Aus Ernährungsperspektive sollte das kein Problem darstellen, so lange genügend Minerale, wie Eisen und Zink, über Hülsenfrüchte und Getreideprodukte ausreichend konsumiert werden. Hülsenfrüchte wie Lupine und Linsen sollten ihren Weg häufiger auf die Teller finden, meint der WWF. Diese Nahrungsmittel befinden sich sehr selten auf dem Speiseplan.

Künftig soll Deutschland den EU-Ländern als Vorbild dienen, aber auch Ländern, die den westlichen Lebensstil kopieren, betont de Teran. „Wir müssen zeigen, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, wenn es zum Thema Ernährung kommt“.

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Manfred Strecker ist Politikwissenschaftler und Mitglied bei Greenpeace. Manfred untersucht seit seinem Jugendalter Möglichkeiten, die Umwelt nachhaltig durch Technologie zu verbessern und schreibt darüber auf Energieinitiative.org .
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