Windkraft auf dem Vormarsch

0

2016 soll das Jahr der Windkraft werden. Warum? Weil voraussichtlich so viele Windmühlen in Betrieb gehen sollen, wie es zuvor noch nie der Fall war. Die Rede ist sogar von einem Zuwachs von mehr als 5000 Megawatt an Leistung.

Ein Windpark mit einer Leistung von 44 Megawatt befindet sich seit kurzer Zeit in Baden-Württemberg, genauer gesagt in Lauterstein im Kreis Göppingen. Diesen nahm Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei der offiziellen Einweihung sogar persönlich in Betrieb. Insbesondere Baden-Württemberg soll noch in diesem Jahr einen Rekordzubau im Windsektor bekommen. So lautet der Plan, dass noch 50 weitere Windenergieanlagen in Betrieb genommen werden sollen – und dies noch bis Ende 2016. Ein Zuwachs von 250 MW bis zum Ende des Jahres erscheint da nicht unrealistisch. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 waren es 144,5 MW. Neben Baden-Württemberg ist auch Nordrhein-Westfalen bereit für einen neuen Rekord. Peter Knitsch, Staatssekretär im Umwelt- und Klimaschutzministerium in Düsseldorf, geht von einem Volumen zwischen 500 und 600 Megawatt für das Jahr 2016 aus.

Die Gründe für den Aufschwung

windkraftanlagen

Dieser gewaltige Aufschwung hat im Wesentlichen zwei Gründe. Der erste Grund ist das Atomunglück, welches sich 2011 im japanischen Fukushima ereignete. Im Anschluss daran wiesen die meisten Bundesländer Flächen für neue Windturbinen aus. Die ersten Auswirkungen dieser Ausweisungen sind nun hautnah zu spüren, da zwischen Planung und dem tatsächlichen Start eines Windparks zumeist zwischen drei bis fünf Jahr liegen. Mit leichter Verzögerung nimmt die Windenergie nun also an Fahrt auf – und schafft zahlreiche neue Jobs im Bereich Ingenieure und technische Berufe.

Der zweite Grund ist das EEG, also das Erneuerbare-Energien-Gesetz, welches im Sommer beschlossen wurde. Es sorgt dafür, dass die Förderhöhe für neue Windturbinen ab dem kommenden Jahr nur noch über Ausschreibungen ermittelt wird. Das ist der Grund dafür, weshalb Windmüller nun vehement versuchen, ihre Mühlen noch bis zum Ende des Jahres 2016 an den Markt zu bringen.

Prognosen für das kommende Jahr

Ursprünglich war für 2016 ein Zubau zwischen 4000 und 4400 Megawatt geplant. Dieser Plan wurde Anfang September von der Fachagentur Windenergie jedoch durchkreuzt. Die Agentur stellte nämlich fest, dass es zwar einige neu genehmigte Windturbinen gibt, von diesen jedoch zu wenige im Anlagenregister der Bundesnetzagentur angemeldet seien. Dies stellt insofern ein Problem dar, da die Betreiber von Bio-, Solar- und Windkraftwerken ihre Anlagen in das Register eintragen müssen. Ist dies nicht der Fall, erhalten sie keine EEG-Förderung. Somit rechnet man in Branchenkreisen mit mehr als 5000 Megawatt Windkraft-Leistung – und dies allein an Land.

Auch für das kommende Jahr gehen Experten von einer ähnlich hohen Leistung aus. Diese Prognose wird auch durch eine Besonderheit unterstrichen. So bekommen alle Windturbinen die Vergütung nach dem momentanen EEG, wenn sie noch im Jahr 2016 ihre Genehmigung erhalten. Dass sie erst im nächsten Jahr gebaut werden, spielt dabei keine Rolle. Selbstverständlich ist nun jeder Investor daran interessiert, eine Genehmigung noch in diesem Jahr zu bekommen.

Die Bundesregierung hatte ursprünglich einen Ausbaukorridor von 2500 und 2800 Megawatt geplant. Absehbar ist jedoch, dass 2016 und auch 2017 jegliche Rekorde brechen werden. Laut Statistik machen erneuerbare Energien in Deutschland schon jetzt einen Anteil von 29 Prozent der Stromerzeugung aus. Mehr als ein Drittel davon stammt aus Windenergie.

The following two tabs change content below.
Manfred Strecker
Manfred Strecker ist Politikwissenschaftler und Mitglied bei Greenpeace. Manfred untersucht seit seinem Jugendalter Möglichkeiten, die Umwelt nachhaltig durch Technologie zu verbessern und schreibt darüber auf Energieinitiative.org .
0.00 avg. rating (0% score) - 0 votes
Share.

Leave A Reply

Show Buttons
Hide Buttons