Wie Massentierhaltung zur Erderwärmung beiträgt

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Eine immer weiter steigende Zahl an Bio-Konsumenten, Umweltschützern und Klimaexperten haben einen umfassenden Blick auf die fundamentalen Ursachen der Erderwärmung geworfen. Dabei sind sie zu einer ernüchternden Erkenntnis gekommen: unsere modernen genetisch modifizierten Organismen sind, zusammen mit industrieller Massentierhaltung, die größten Verursacher des von Menschen ausgelösten Klimawandels.

Wie sind sie zu diesen Schluss gekommen? Primär durch einen umfassenderen Blick auf die wissenschaftlichen Daten über Treibhausemissionen. Dabei wurde der Fokus nicht nur auf den Kohlendioxidausstoß gelegt, sondern auch auf den Ausstoß von Methan und Lachgas. Des Weiteren wurde die Menge an fossilen Brennstoffen ermittelt, die für die gesamte Massentierhaltung inklusive deren Produktion und Weiterverarbeitung benötigt wird. Darunter fallen die benutzten Werkzeuge, die Produktion, die Weiterverarbeitung, der Vertrieb, das Heizen, das Kühlen, die Versorgung mit Strom und der entstehende Müll. Auch wurden Faktoren berücksichtigt, die einen direkten Einfluss auf die moderne Landwirtschaft haben, wie beispielsweise die Entwaldung oder die Zerstörung von Feuchtgebieten.

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In diesen Zuständen leben Tiere in Anlagen zur Massentierhaltung

Wenn man alles zusammenzählt, bekommt man ein klares Ergebnis – die moderne Landwirtschaft schadet dem Planeten. Die Massentierhaltung spielt in diesem Disaster eine Schlüsselrolle.

Die Wissenschaft hinter der Erderwärmung ist sehr kompliziert. Keine Frage: Kohlekraftwerke, fossile Brennstoffe und der Abbau von Gas durch natürliches Fracking haben stark zur Verschmutzung durch Treibhausgase beigetragen, welche letztendlich auch der Grund für die Erderwärmung sind. Aber der Überkonsum von fossilen Brennstoffen durch die Bevölkerung spielt bei der Erderwärmung eine ähnliche Rolle. Wir müssen absolut alles überdenken und umgestalten, angefangen von unseren Benzin verschleudernden Autos bis hin zu unseren energetisch ineffizienten Häusern, wenn wir in den nächsten Jahrzehnten den Verbrauch von fossilen Brennstoffen um 90 % reduzieren wollen.

Wir sollten aber auch den Umwelteinfluss der Massentierhaltung mit einbeziehen.

Mittlerweile sind weltweit rund 65 Milliarden Tiere, zu denen Schweine, Kühe und Hühner gehören, in Anlagen für Massentierhaltung zusammengepferscht. Diese Tiere werden buchstäblich unter ungesunden, unhygienischen und brutalen Bedingungen eingesperrt und gefoltert. Für diese eingesperrten Tiere, die mit genmodifiziertem Futter gefüttert werden, statt natürliches Futter zu bekommen, zählen Krankheiten zur Tagesordnung. Um diesen Krankheiten, die durch Stress, Überfüllung und einem Mangel an Vitamin D entstehen, entgegenzuwirken, werden Antibiotika verfüttert. Diese Antibiotika stellen für die Natur eine direkte Bedrohung dar, weil sie in unsere Bäche, Flüsse, in unser Grundwasser und letztendlich in unser Trinkwasser gelangen.

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Eine Abwassersammelstelle neben einer Anlage zur Massentierhaltung

Anlagen zur Massentierhaltung erzeugen eine große Menge von Treibhausgasen, die direkt in die Atmosphäre gelangen – mehr als die weltweite Transportindustrie. Die Luft in manchen Regionen der USA, in denen Massentierhaltung betrieben wird, ist laut Tests dreckiger als die Luft in Großstädten, die mit einer starken Luftverschmutzung zu kämpfen haben, was das Environmental Integrity Project herausfand. Laut einem Bericht der Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO), der 2006 veröffentlicht wurde, ist die Massentierhaltung für 18 % aller von Menschen produzierten Treibhausgase verantwortlich. Sie stellt außerdem 37 % des Methanausstoßes und 65 % des Lachgasausstoßes dar. Pro Tonne ist das Methan, das von Massentierhaltungsanlagen ausgestoßen wird, 70 Mal schädigender für die Erdatmosphäre als Kohlendioxid.

Indirekt trägt die Massentierhaltung aber noch weiter zum Klimawandel bei. Oben nicht berücksichtigt sind Entwaldung und das Austrocknen von Feuchtgebieten. Außerdem spielt der Lachgasaustoß eine große Rolle, der durch das Versprühen von Pestiziden entsteht, um genmodifiziertes Futter für die Tiere herzustellen, die in der Massentierhaltung leben. Die Verschmutzung durch Lachgas ist sogar noch schlimmer als die des Methans und ganze 200 Mal pro Tonne schädigender als Kohlendioxid. Pestizide und Dünger gelangen, genau wie Antibiotika, in unser Wassersystem und schädigen von dort aus die Umwelt zusätzlich.

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Auch Pestizide gelangen in das Grundwassersystem

Die Massentierhaltung ist nicht nur ein Disaster für die Umwelt. Sie schadet auch unserer Gesundheit. Immer mehr Experten warnen davor, dass der exzessive Gebrauch von Antibiotika und Wachstumshormonen dazu führt, dass die industriell gefertigte Nahrung Krankheitserreger enthält, die resistent gegenüber Antibiotika sind. Außerdem befinden sich im Fleisch auch Rückstände der Wachstumshormone und Antibiotika, die negative Auswirkungen auf den menschlichen Körper haben. Trotz dieser Gefahren für Gesundheit und Umwelt weiß fast kein Verbraucher, dass 95 % der täglichen Produkte wie Fleisch, Eier und Milchprodukte aus Massentierhaltung gewonnen werden.  Was sie auch nicht wissen ist, dass die Anlagen zur Massentierhaltung durch ein unternehmensgesteuertes System kontrolliert werden und geringe Margen haben, die durch eine große Produktion, Verarbeitung und Distribution an Rentabilität gewinnen.

Es gibt dabei durchaus Alternativen, wie beispielsweise sozial verträgliche kleine Systeme, von unabhängigen Produzenten und Verarbeitern auf regionaler Ebene geschaffen werden. Solche Systeme würden qualitative Nahrung herstellen und den kleinen Bauern unterstützen, der seine Produkte wie Eier, Milch und Fleisch unter humanen Methoden herstellt.

Und außerdem wäre es für die Umwelt viel besser.

Verbraucher können die großen Kooperationen boykottieren, die auf Massentierhaltung setzen und umweltfreundliche Alternativen bevorzugen. Davor müssen wir aber unser Recht zurückgewinnen, zu erfahren, was sich in unserem Essen befindet. Darunter fällt nicht nur die Kennzeichnung von GMO-Nahrung, sondern auch die Kennzeichnung von Nahrung, die das Produkt von Massentierhaltung ist.

2013 hat eine Vielzahl von Umwelt- und Naturschützern sowie Aktivisten einen Kampf um die bessere Etikettierung von Nahrung eingeleitet: Fleisch, Eier und Milchprodukte aus Massentierhaltung. Dabei sollen Verbraucher genau über die Konsequenzen der Massentierhaltung informiert werden, damit sich viele Menschen organisieren und mit in diesen Kampf ziehen. Das Ziel: die weitreichende Kennzeichnung von Nahrung aus Massentierhaltung.

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Genmodifizierte Nahrung und Nahrung aus Massentierhaltung sollte speziell gekennzeichnet werden

Gegner und Skeptiker werden sich fragen: „wie soll die Welt ernährt werden?“. Entgegen aller bekannten Argumente ist Massentierhaltung keine günstige und effiziente Lösung, um den Welthunger zu bekämpfen. Es wird mehr Getreide für die Fütterung von Tieren in Massentierhaltung verbraucht, als Nahrung damit produziert wird. Alleine das Getreide könnte mehr Menschen ernähren als die daraus produzierte Nahrung. Pro 100 Kalorien in Form von Getreide, bekommen wir aus der Massentierhaltung nur 30 Kalorien in Form von Fleisch, Milch oder Eiern zurück. Das ist ein Verlust von 70 Prozent.

Angesichts der Tatsache, dass die Weltpopulation bis zur Mitte des Jahrhunderts auf neun Milliarden Menschen ansteigen wird, können wir uns diese leichtsinnige, ungesunde und für die Umwelt disaströse Nahrunsproduktion nicht mehr leisten. Wir sind uns sicher, dass die Verbraucher nach Alternativen suchen würden, wenn sie die Wahrheit über Massentierhaltung wüssten. Um das zu erreichen, muss der Verbraucher wissen, was in seiner Nahrung ist und woher die Nahrung stammt.

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Toni Pavicic
Toni leitet das Portal Energieinitiative.org, setzt sich persönlich für regenerative Energien, den Umweltschutz und die Umwelt ein. Mit dem Portal Energieinitiative.org verfolgt er das Ziel, die Besucher zu informieren und das Umweltbewusstsein derselben zu stärken, um einen Dominoeffekt zu erzeugen.
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3 Kommentare

  1. Ich bin echt überrascht. NIE hätte ich gedacht, dass Massentierhaltung solche Effekte auf die Umwelt hat. Auf die Gesundheit: ja. Aber das haut mich jetzt so ein bisschen aus den Socken.

    LG

    August

  2. Danke für diesen Artikel.
    Soviel zur „fortschrittlichen Menschheit“. Die Menschheit ist einfach strohdumm, extrem gierig und von Grund auf schlecht.

    Ich stimme Ihrem Artikel zu 99% zu, ausgenommen dem Punkt zur Produktion von Eiern, Milch und Fleisch unter „humanen Methoden“.

    Denn wann und wo bitte sind Versklavung und Mord „Human“ ?

    Hat das Tier eine freie Entscheidung zu einem kurzen Leben mit Mord und Totschlag getroffen?

    … daran ändert auch die Aufzucht auf einer grünen Weide nichts …
    Einfach nur einmal zum nachdenken.

  3. Danke für diesen Artikel.
    Ich bin auf der Suche nach seriösen Quellen und Statistiken für eine Forschungsarbeit an der Uni, die belegen, dass die Intensivtierhaltung einen enormen Teil zum Klimawandel beiträgt.
    Über Links und Tipps, wäre ich sehr dankebar!
    Viele liebe Grüße

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