Startup heizt kostenlos Wohnungen mit dem Internet

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Du hast sicherlich bemerkt, dass ein Computer sehr warm werden kann, wenn man ihn auslastet, indem beispielsweise ein Spiel auf ihm gespielt wird. Das Selbe passiert auch bei Serverfarmen, nur in einem größeren Ausmaß. Das niederländische Startup Nerdalize hat das Ziel, die Server aus den Serverfarmen zu verbannen und sie stattdessen in Wohnungen zu installieren, in welchen die entstandene Wärme zum Heizen genutzt wird – kostenlos.

Vor kurzer Zeit hat sich Nerdalize mit Eneco, einem der größten niederländischen Versorgungsunternehmen, zusammengeschlossen und zusammen mit ihnen fünf Servereinheiten in Wohnungen installiert. Die Server unterscheiden sich optisch kaum von einem Radiator und heißen „e-Radiator“, da sie mit Strom betrieben werden. Nerdalize plant die Betriebskosten zu bezahlen und damit die Kosten für seinen Cloud-Service, gegenüber seiner Konkurrenz, um 55 % zu senken, da auf diese Weise kein Datenzentrum mehr erforderlich wäre.

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Die Wärme entsteht im Inneren des Servers

Die vom Server erzeugte Wärme, die beim Betreiben von Anwendungen entsteht, bietet eine stabile Wärmequelle, die für die Bewohner kostenlos ist. Laut der Pressemeldung des Unternehmens, sind die Server auch sehr leise.

Auch wenn die Idee sehr gut erscheint, kommen einige Zweifel auf. Die Privatsphäre könnte durch Eingriffssicherungen gewährleistet werden, doch was passiert, wenn keiner die Rechenleistung des Servers benutzt? Frieren die Bewohner in diesem Fall? Und was geschieht im Sommer? Wird die Wohnung dann auch aufgeheizt?

Florian Schneider, Mitgründer von Nerdalize erklärt: „Der Bedarf nach Rechenleistung ist eigentlich immer gegeben und ausreichend verfügbar. Trotzdem hat der Bedarf Höhen und Tiefen. Der Heizbedarf ist saisonal bedingt und auch nicht immer gleich. Im Sommer lässt sich die entstandene Hitze nach außen leiten, so dass die Wohnungen oder Häuser nicht geheizt werden, während der Server seiner Arbeit immer noch effizient nachgehen kann.

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Die Rechenoperationen sorgen für wohlige und kostenlose Wärme

Unser System erkennt genau, wo geheizt werden muss. Ist ein hoher Heizbedarf gegeben, werden die Rechenaufgaben an die jeweiligen Server geleitet. Ist der Heizbedarf irgendwo niedriger, kommt weniger Rechenleistung zum Einsatz. Sollte es dazu kommen, dass die Rechenleistung nicht genügt, können wir sie erhöhen, indem wir die Preise senken und weitere Kunden anlocken, einen Teil der Server der Wissenschaft zur Verfügung stellen oder wir starten Simulationen, die automatisch Wärme erzeugen. Simulationen sind besonders nützlich und wichtig, weil diese dann zum Einsatz kommen werden, wenn die Internetverbindung über einen längeren Zeitraum ausbleibt.“

Es ist noch unklar, wie eRadiatoren die Stromrechnung genau senken sollen. Laut Eneco soll pro Haushalt eine Heizkosten-Ersparnis von 400 € möglich sein. Unserer Meinung nach hängt das Sparpotenzial vom Haus, der Dämmung und der Größe ab. Momentan wird das System in fünf niederländischen Wohnungen getestet, ehe es großflächig eingesetzt werden kann. Die Idee dahinter ist interessant und durchdacht. Das Video erklärt genau, wie das System funktioniert. Viel Spaß beim Anschauen!

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Manfred Strecker ist Politikwissenschaftler und Mitglied bei Greenpeace. Manfred untersucht seit seinem Jugendalter Möglichkeiten, die Umwelt nachhaltig durch Technologie zu verbessern und schreibt darüber auf Energieinitiative.org .
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