Solarstrom – der Boom geht in die zweite Runde

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Von der Deutschen Bank werden regelmäßig Berichte über die Einschätzungen der Entwicklung von Solarenergie veröffentlicht. Der letzte Bericht wurde vor einigen Tagen herausgegeben und der US-Analyst Vishal Shah (weitere Informationen gibt es auf dem australischen RenewEconomy Blog) hat hervorragende Nachrichten.

Laut Shah wird Solarenergie in den nächsten zwei Jahren weltweit Netzparität erreichen. Netzparität ist, wenn der selbst erzeugte Ökostrom den Preis des öffentlichen Stromnetzes erreicht, bzw. diesen unterbietet.

Netzparität – die Gefahr für Energieversorger

Sollten die Strompreise jährlich um drei Prozent erhöht werden, wird der Preis für konventionell hergestellten Strom in vier von fünf Ländern weltweit 2017 unterboten. Sollten die Preise nicht steigen, wird Solarstrom in zwei Dritteln der weltweiten Märkte immer noch rentabel sein.

Die Kosten für privat aus erneuerbaren Quellen hergestellten Storm betragen momentan zwischen elf und zwanzig Cent pro Kilowattstunde. Deshalb soll sich die Nachfrage für Solarpanels allein in den USA im nächsten Jahr verfünffachen.

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Konventionellen Stromversorgern dürfte es bald an den Kragen gehen

Die Netzparität gilt als so genannter Tipping Point für die Energiebranche und ihre Angestellten. Wird die Netzparität erreicht, sollte sich jeder Angestellte im Energiesektor überlegen, sich umzubilden oder beruflich umzuorientieren. Sollte erneuerbarer Strom aus privater oder geschäftlicher Produktion günstiger werden, kann man davon ausgehen, dass die Kundenzahlen bei den Energieversorgern sinken.

Stromspeichernde Batterien sind mittlerweile sehr günstig und bezahlbar geworden. Dank der Speicherung des Stroms, kann der Bezug von Strom aus dem öffentlichen Netz um rund 70 Prozent gesenkt werden. Die Preise für Solartechnologie sind stetig am Fallen (Shah glaubt, dass Preise bis 2020 um 40 Prozent fallen werden), während die Strompreise in den meisten Ländern der Welt steigen, was bedeutet, dass konventionell hergestellter Strom bald zu einem unrentablen Geschäftsmodell wird.

Sollten sich Shahs Analysen als richtig herausstellen, werden für konventionelle Stromanbieter bald schwere Zeiten aufkommen, während die Solarindustrie mit einem zweiten Boom rechnen kann.

Ein selbstständiger Boom

Der erste Boom der Solarenergie wurde durch großzügige staatliche Subventionen in Bewegung gebracht (Stichwort: Energiewende). Der zweite Boom schafft die Solarenergie aber alleine, da sie inzwischen gegenüber anderen Energiearten konkurrenzfähig geworden ist und dadurch nicht mehr von staatlichen Hilfen abhängig ist. Außerdem steigt die Nachfrage immer mehr, weshalb die Technologie sicherlich gut ankommen wird.

Auch Angela Merkel hat erkannt, dass es zu einem weiteren Boom in der Solarbranche kommen wird. Sie meinte beim Empfang des Bundesverbandes Eneruerbare Energien (BEE) in Berlin, dass die Energiewende gerade eine „Atempause“ einlegen würde. Damit meinte sie die schwachen Absatzzahlen der Solartechnologie im letzten Jahr, wohingegen der Sektor überall sonst auf der Welt florierte. Sie wurde trotzdem scharf von den Branchenvertretern kritisiert.

Die Kanzlerin hatte mit ihrer Aussage den Nagel aber auf dem Kopf getroffen: die Energiewende ist gerade dabei in die zweite Runde zu gehen.

Experten sind sich einig

Doch nicht nur Vertreter der Deutschen Bank sind der Meinung, dass die Energiewende in die zweite Runde geht. Die Experten der Citibank Group haben in einem Report die Energiewende genauer unter die Lupe genommen. Aus diesem gehen fünf Gründe hervor, wegen welchen die Solarenergie den Ökostromanteil im Strommix in den folgenden Jahren stark erhöhen wird.

solarkraftwerk

Ein Solarkraftwerk

  1. Solarpanels werden zunehmend effizienter und damit für den Endkunden günstiger, weil sie proportional mehr Strom produzieren.
  2. Da Banken immer mehr Erfahrung im Bereich Solarprojekte und Solarenergie haben, werden Kredite in den nächsten Jahren günstiger.
  3. Die Kosten für die Produktion von Solarzellen fallen. Experten des US-Energieministeriums gehen davon aus, dass der Ökostrom, der aus Solarenergie gewonnen wird, 2020 nur noch 4 Cent pro Kilowattstunde kosten wird. Die Kosten für Solaranlagen haben sich seit 2010 nämlich halbiert.
  4. Die Netzparität wird in immer mehr Ländern erreicht und Solarstrom ist oft günstiger als der Strom aus dem Netz. Deshalb lohnt es sich für Hausbesitzer und Unternehmen in Solaranlagen zu investieren, den produzierten Strom selbst zu verbrauchen oder diesen zu verkaufen. In Deutschland ist dies schon länger der Fall. Andere Länder wie Großbritannien, Japan und Südkorea werden in den nächsten Jahren denselben Stand erreichen.
  5. In den USA ist man bemüht immer mehr Kraftwerke für die Produktion erneuerbarer Energien zu bauen, um sich vor Preisschwankungen bei Kohle und Erdgas zu schützen und um unabhängig zu bleiben. Solarkraftwerke produzieren stetig Strom, weshalb es zu keinen Preisschwankungen kommt und die Unabhängigkeit gewährleistet ist.

Die Citigroup-Analysten sind der Meinung, dass die Schätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA), was die Entwicklung der Solarenergie bis 2035 angeht, deutlich übertroffen werden. Die IEA hat ein großes Expertengremium, das Energiethemen behandelt und laut deren Schätzungen sollen bis 2035 weltweit 660 Gigawatt Strom aus erneuerbaren Quellen gewonnen werden. Das entspricht der Stromproduktion aller Kohlekraftwerke weltweit.

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Manfred Strecker ist Politikwissenschaftler und Mitglied bei Greenpeace. Manfred untersucht seit seinem Jugendalter Möglichkeiten, die Umwelt nachhaltig durch Technologie zu verbessern und schreibt darüber auf Energieinitiative.org .
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1 Kommentar

  1. Und wem haben wir das zu verdanken? Den Chinesen! Die stellen Solarzellen ja mittlerweile spottbillig her. Da müssen sich die deutschen Hersteller was einfallen lassen. Den niedrigeren Preis begrüße ich aber.

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