Solaranlage selbstgebaut, 4000 € gespart

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Da unser Haus im Wald nicht an das Stromnetzwerk angeschlossen ist, war das Thema Stromversorgung immer kompliziert. Im Laufe der Jahre unternahmen wir einige umständliche Versuche zumindest die Beleuchtung zum Laufen zu bringen, indem wir eine 12 Volt Autobatterie verwendeten. Leider musste diese immer wieder aufgeladen werden, was sehr umständlich war. Andererseits wollten wir unser Haus so einfach und natürlich wie möglich halten und das Erscheinungsbild nicht mit einem Stromgenerator zerstören, dessen Benzinverbrauch die Umwelt belastet. Zuerst schreckten uns bei einer Solaranlage, die Ökostrom produzieren sollte, die hohen Kosten ab, aber wie so oft, kann man mit ein wenig Heimwerkertalent einige Euros sparen. Nachdem wir einen befreundeten Experten um Rat fragten, ging es auch gleich los:  wir bauten unsere Solaranlage und das Energiesystem generiert jetzt sogar mehr Strom als wir erwartet haben. Darüber hinaus ist es sehr zuverlässig, muss fast gar nicht gewartet werden und sieht obendrein auch noch hübsch aus. Ein auf dem Dach installiertes Solarpanel, von welchem einige Kabel zu einer Batteriebank führen, versorgt meinen Laptop und andere Elektrogeräte mit Strom. Außerdem generiert das System genug Strom um Akkuschrauber, Soundsystem und sogar meinen Kühlschrank ganzjährig am Laufen zu halten. 2 Solarsystem Unser einfaches Solarstromsystem besteht aus vier grundlegenden Komponenten: einem Solarpanel, einem Laderegler, zwei 6-Volt-Batterien aus einem Golfauto und einem kleinen Spannungswandler. Mein Sohn und ich waren in der Lage das System innerhalb von einigen Stunden zu installieren. Was die Wartung angeht, muss man alle paar Monate den Füllstand der Batterien prüfen. Ansonsten kann man sich zurücklehnen, weil das System keine Wartung braucht. Das benötigte Material kostete weniger als 1000 €. Heute dürften die Materialkosten weitaus niedriger sein.

Das benötigte Material kostete weniger als 1000 €

Die Vorteile des Solarstromsystems genießen wir nun schon seit drei beschwerdefreien Jahren. Seit zwei Jahren betreibt es ununterbrochen auch unseren Kühlschrank, was eine Sensation ist, wenn man bedenkt, dass die Solarpanels hier nur minimal der Sonne ausgesetzt sind.

 Um unser Solarpanel nachzubauen, brauchst du vier Komponenten:

1. Solarpanel

Auf unserem Dach ist ein Solarpanel angebracht. Es handelt sich um ein 123 Watt Sharp Photovoltaik Modul, Modell 123UJF. Das Panel ist mit einer Verteilerdose ausgestattet, welche die Kabel- und Kanalführung erleichtert. Das Solarpanel liegt auf zwei Brettern, die mit Zugschrauben am Dach befestigt sind. Das Solarpanel selbst ist mit Flügelschrauben an den Brettern befestigt, was eventuelle Wartungsarbeiten ungemein vereinfacht. Der Abstand zwischen Dachoberfläche und der Oberfläche des Solarpanels beträgt etwa 13 Zentimeter. Außerdem ist das Solarpanel mit einem Scharnier befestigt, damit man es der Sonne entgegen ausrichten kann und die Ventilation gewährleistet ist. Wir planen noch ein Seilsystem hinzu zu fügen, damit wir das Solarpanel komplett vom Boden aus ausrichten können, was aber nicht zwingend erforderlich ist, sondern eher Spielerei. Zwei Leitungen verlassen das Solarpanel. Eine ist die Stromleitung und bei der anderen handelt es sich um die Masseleitung.  Die Stromleitung geht herunter bis zum Laderegler, wo sich auch die Sicherung befindet. Der Laderegler selbst befindet sich, zusammen mit dem Spannungswandler und den Batterien, in einer selbstgemachten Box im Vorbau des Hauses. Die Masseleitung verläuft unter dem Haus und ist an einer Stange angebracht, die zwei Meter tief im Boden sitzt. 3 Solarpanel Erwähnenswert ist, dass die Installation, laut Anleitung, von Photovoltaikmodulen von zugelassenen Experten und Elektrikern durchgeführt werden sollte. Wir haben unser System selbst installiert, doch haben wir uns Instruktionen von einem Experten eingeholt, der die Installation nach dem Aufbau überprüft hat. Wir empfehlen euch das Selbe zu tun oder die Installation von einem Fachmann vornehmen zu lassen. Oben auf dem Bild seht ihr auch einen Schatten auf dem Solarpanel. Dieser Schatten verbringt ungefähr 20 Minuten am Tag auf dem Panel und verschwindet dann. Der Grund dafür ist, dass unser Haus in einem Wald liegt und ein Baum für den Schatten sorgt. Das kostet natürlich ein wenig Energieeffizienz, aber das ist für uns kein Problem, weil wir mit dem generierten Strom hervorragend auskommen. Sollte sich daran etwas ändern, werde ich in Betracht ziehen den Baum etwas zu stutzen.

Dieses System kostet heute (Mitte 2014) ungefähr 350 €, Tendenz fallend

2. Laderegler

Wir benutzen einen Solarladeregler von Conrad mit Tiefentladeschutz, der die zur Batterie abgegebene Strommenge automatisch anpasst. Am Laderegler findet man LED-Dioden, die den Füllstand der Batterien anzeigen. So sieht man direkt, ob die Batterien leer oder voll sind. Das Licht blinkt entweder grün oder rot und gibt jederzeit Auskunft über den Ladevorgang. Leuchtet eine Diode permanent rot, ist zu wenig Strom verfügbar und elektrische Geräte sollten ausgeschaltet werden. Ein permanent grünes Leuchten hingegen sagt aus, dass wir noch zusätzliche Geräte einschalten oder anschließen dürfen. Solaranlage-Laderegler

Der Laderegler kostete um die 70 €

3. Batteriebank

Miteinander verbunden ergeben die beiden 6-Volt-Batterien ein 12-Volt-System.  Jede einzelne Batterie wird mit 232 Ampere pro Stunde bewertet. Die Batterien befinden sich in einer Box mit aufklappbarem Deckel. Zwischen Deckel und Box befindet sich eine Öffnung, die für die Belüftung sorgt. Alle Batterieverbindungen werden immer sauber gehalten und zeitweise geprüft. 5 Batterien 6 Batteriebox

Beide Batterien kosteten ungefähr 300 €

4. Spannungswandler

Das letzte Bestandteil des Systems ist ein kleiner Spannungswandler, der 12 Volt Gleichstrom in 120 Volt Wechselstrom umwandelt. Das erlaubt uns die Benutzung unserer Elektrogeräte ohne Adapter. Spannungswandler gibt es in einer großen Auswahl an Größen und Wattangaben. Unserer ist von der Firma Cartrend und hat eine Leistung von 300 Watt, doch liegt die Spitzenleistung bei 500 Watt. Mit dieser Leistung ist er relativ klein. Er wird mit zwei Kabeln (rot und schwarz) sowie Krokoklemmen an den Enden geliefert, die ein Anschließen an die Batterien erleichtern. Bei der Wahl des Spannungswandlers haben wir analysiert, wie viel Strom wir vom System gewinnen können und wie viele Geräte wir damit betreiben möchten. Bei der Kalkulation des Strombedarfs ist es wichtig alle Leistungsanforderungen mit einzubeziehen, wenn zwei oder mehr Geräte gleichzeitig betrieben werden sollen. spannungswandler-300-w

Der 300 Watt Cartrend Spannungswandler kostete knapp 50 €

Was das System bringt

Der alternative Strom kann dazu benutzt werden verschiedene Elektrogeräte wie Computer, Werkzeuge oder Kühlschränke zu betreiben. Je größer das System, desto mehr Strom wird man bekommen. Unten seht ihr alle Geräte, die bei uns laufen, damit ihr eine ungefähre Vorstellung über die Leistung bekommt.   8 Solarbetriebener-Kühlschrank Dieser Kühlschrank wird mit Gleichstrom betrieben und hat eine Leistung von 40 Watt. Er lässt sich durch den Wechsel des Thermostaten auch in einen Tiefkühlschrank umwandeln. Da der Kühlschrank mit Gleichstrom läuft, ist er direkt an das Solarstromsystem angeschlossen und hat mit dem Spannungswandler nichts zu tun. Auch wenn der Spannungswandler aus ist, läuft der Kühlschrank weiter. Der Kühlschrank läuft nun schon zwei Jahre ununterbrochen und auch die kurzen Wintertage ändern daran nichts. 9 Solarbetriebenes-Soundsystem Das ist unser Vers Sound System. Man kann ein iPod oder ein anderes Musikgerät per Kabel daran anschließen. Das System sorgt für einen tollen Sound und verbraucht sehr wenig Strom. Im Winter können wir ungefähr drei Stunden Musik hören und im Sommer so viel wir möchten. 10 Solarbetriebener-Laptop Falls nötig, kann man mit dem Solarstromsystem einen Laptop den ganzen Tag betreiben. Ein Router ist ebenfalls am Spannungswandler angeschlossen, damit mehrere Computer gleichzeitig im Netz surfen können. Ungefähr 300 Meter vom Haus entfernt ist ein Radio, das unser Haus mit mobilem Internet versorgt. Neben dem Laptop haben wir einen Akkuschrauber, der sehr praktisch ist. Das Solarsystem ist in der Lage den Akku innerhalb von 30 Minuten zu laden. Dies sind die Sachen, die mit unserem Solarstromsystem betrieben werden. Natürlich kann sich die Art der Geräte unterscheiden und es können, je nach Strombedarf, auch mehr Geräte betrieben werden. Heute genießen wir die Vorteile des Solarsystems in unserem Haus ohne das Gefühl zu haben, dass es netzunabhängig ist. Im Laufe der Zeit werden wir unser System erweitern, indem wir zusätzliche Batterien und ein weiteres Solarpanel verbauen. Du hast Fragen, Anregungen oder Kritik? Hinterlasse jetzt einen Kommentar zu diesem Artikel!

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Manfred Strecker
Manfred Strecker ist Politikwissenschaftler und Mitglied bei Greenpeace. Manfred untersucht seit seinem Jugendalter Möglichkeiten, die Umwelt nachhaltig durch Technologie zu verbessern und schreibt darüber auf Energieinitiative.org .
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2 Kommentare

  1. Avatar
    Lucia Geerkens am

    Hallo! In Ihrem Artikel ist von einem Kühlschrank, der mit Gleichstrom arbeitet, die Rede.
    Meine Frage ist, wo bekommt man so einen Kühlschrank und was kann der kosten?
    Liebe Grüße
    Lucia

    • Avatar
      Toni Pavicic am

      Hallo Lucia 🙂

      Vielen Dank für deine Anfrage. Dabei handelt es sich um einen 24V Kompressor Kühlschrank, der beispielsweise in Wohnmobilen zum Einsatz kommt. Es gibt verschiedene Modelle. Die Kleinen kosten meist zwischen 100 – 200 € während die Großen auch bis zu 800 – 1000 € kosten können. Suche einfach bei Google nach 24V Kompressor Kühlschrank. Solltest schnell fündig werden.

      LG

      Toni

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