Preistief beim Strom – nur nicht beim Endkunden

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Würde ein Stromanbieter seinen Strom für 2,54 Cent pro Kilowattstunde anbieten, könnte er sich vor dem Kundenansturm kaum retten. Dieser Preis gilt an den Strombörsen, da die Kosten für Energien in der letzten Zeit stark gesunken sind und nun ein Rekordtief verzeichnet wurde.

Der Grund für den stark gefallenen Preis ist Strom aus erneuerbaren Energien. Insgesamt entsteht ein Überangebot, da konventionelle Kraftwerke nicht einfach abgeschaltet werden können, wenn erneuerbarer Strom vermehrt produziert wird. Der Endkunde bezahlt aber dennoch rund 10 x so viel für die Kilowattstunde Strom.

Warum das so ist? Das erklärt die Strompreiszusammensetzung in der folgenden Grafik, die zeigt, dass nur ein Viertel des Preises auf die Produktion entfällt.

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Genauso hoch sind die Netzentgelte. Das Netzentgelt wird an die Betreiber des Stromnetzes gezahlt, um dieses benutzen zu dürfen. Das Ergebnis: der Stromtransport macht etwa die Hälfte des gesamten Strompreises aus.

Auch der Staat hat seine Finger im Spiel

Neben den Produktions- und Transportkosten, müssen auch staatliche Abgaben wie Steuern und Umlagen gezahlt werden. Die EEG-Umlage sorgt dabei für den größten Kostenblock. Die EEG-Umlage ist in den vergangenen Jahren wegen des großen Erfolgs von Ökostrom stark gestiegen, wobei vom „Ökostrom-Paradox“ die Rede ist: wenn Ökostrom günstiger wird, steigt die EEG-Umlage. Sie wird aus der Differenz zwischen dem Börsenstrompreis und und der staatlich gewährleisteten Einspeisevergütung für Ökostromanbieter errechnet.

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Der Börsenpreis selbst sinkt, weil nach dem Bau von neuen erneuerbare Energien Projekten keine Brennstoffkosten mehr entstehen – der Strom kann praktisch kostenlos produziert werden.

Strom aus erneuerbaren Quellen hat Vorrang

Bei der Netzeinspeisung haben erneuerbare Energien vor konventionellen Energien Vorrang. Dieser Effekt wird auch Merit-Order genannt. Da nun der Sommer angefangen hat und es sehr viel Ökostrom gibt, werden konventionelle Kraftwerke nicht mehr in der Form benötigt. Die Nachfrage sinkt und somit auch der Preis.

Die EEG-Umlage soll künftig nicht mehr so stark steigen, da die Einspeisevergütungen ebenfalls gesunken sind. Der Grund für die sinkenden Einspeisevergütungen ist der massive Ausbau von Anlagen zur Erzeugung von Ökostrom – die staatlichen Subventionen könnten aus diesem Grund ebenfalls sinken. Da die Differenz zwischen dem Börsenstrompreis und der garantierten Vergütung immer kleiner wird, sinkt die EEG-Umlage.

Dem Strompreis wird darüber hinaus auch die Mehrwertsteuer und die Stromsteuer zugerechnet. Die Stromsteuer existiert seit 1999 von der Bundesregierung eingeführt und fließt vollständig in die Rentenkasse. Dadurch sollte die Wirtschaft ursprünglich ökologisch umgebaut werden.

Des weiteren existiert auch die Konzessionsabgabe, die jeder Stromanbieter an seine Gemeinde abgeben muss, damit er die öffentlichen Wege nutzen darf.

Kleine Umlagen gestalten den Markt

Vier weitere kleine Umlagen erhöhen den Strompreis zusätzlich: die Offshore-Haftungsumlage (diese wird für das Risiko beim Bau von teuren Offshore-Anlagen auf dem Meer erhoben). Dann kommt noch die KWK-Umlage hinzu. Dadurch sollen die erhöhten Kosten der Betreiber von KWK-Anlagen ausgeglichen werden. Da KWK-Anlagen äußerst effizient sind, besteht ein hohes politisches Interesse.

Die Umlage nach § 19 NEV befreit große Stromverbraucher von Netzentgelten. Die entstehenden Kosten werden von Stromkunden getragen. Das Gleiche passiert auch bei den Kosten für abschaltbare Lasten. Dabei unterbrechen große Industrieunternehmen ihre Produktion, wenn die Netzstabilität sinkt, um diese zu erhöhen. Die finanziellen Verluste werden anschließend von der Umlage gedeckt.

Zwar befindet sich der Strompreis mit knapp 2,6 Cent pro Kilowattstunde auf der Börse gerade auf einem Rekordtief, doch verhindern alle sonstigen Abgaben, dass er für den Endverbraucher genauso günstig ist.

Keine Verpflichtung auf Weitergabe von niedrigen Strompreisen

Stromanbieter können die niedrigeren Strompreise zwar an ihre Kunden weitergeben, doch sind sie dazu nicht verpflichtet. In den letzten Jahren ist der Strompreis auf diese Weise, abhängig vom Anbieter, tatsächlich gesunken. Trotzdem bezahlen die Deutschen im Durchschnitt 29 Cent pro Kilowattstunde für ihren Strom.

Die Politik könnte bewirken, dass ein niedrigerer Strompreis an den Kunden weitergegeben werden muss. Der Weg dazu sei recht einfach, wie Energieexperte Felix Matthes vom Öko-Institut meint: „Das Bundeswirtschaftsministerium müsste lediglich eine entsprechende Verordnung erlassen“.

Normalverbraucher können nicht direkt an der Börse einkaufen. Es müssen mindestens 24 Megawattstunden abgenommen werden, um vom Börsenpreis zu profitieren. Der durchschnittliche Jahresverbrauch eines Vier-Personen-Haushalts beträgt allerdings nur 3,5 Megawattstunden im Jahr.

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Toni Pavicic
Toni leitet das Portal Energieinitiative.org, setzt sich persönlich für regenerative Energien, den Umweltschutz und die Umwelt ein. Mit dem Portal Energieinitiative.org verfolgt er das Ziel, die Besucher zu informieren und das Umweltbewusstsein derselben zu stärken, um einen Dominoeffekt zu erzeugen.
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