Nachhaltig und gesund bauen: Tipps für Bauherren zur Baustoffauswahl

0

Beim Bau des Eigenheims ist es immer mehr Menschen ein Anliegen den ökologischen Fußabdruck möglichst gering zu halten. Doch diese Herausforderung ist nicht leicht zu meistern. Besonders bei den Baustoffen ist Vorsicht geboten. Nicht alles, was auf den ersten Blick nachhaltig scheint, ist es in Wahrheit auch. Wir zeigen, wie sich qualitative Materialien erkennen lassen und fassen Beispiele für sinnvolle Produkte.

Versteckte Wohngifte vermeiden

Wohngifte lauern auch heute noch in zahlreichen Materialien, obwohl die Vorschriften verschärft wurden. Egal ob umweltschädliche Holzschutzmittel, Formaldehyd in Spanplatten und Fußböden oder Farben mit hohen Lösemittel-Anteil: Das Risiko sich ungewollt gesundheitsgefährdende Substanzen ins Haus zu holen, ist groß. Wer sein Haus ohne schädliche Stoffe errichten möchte, muss viel Zeit in Recherche investieren. Doch es lohnt sich angesichts des Zugewinns für ein wohngesundes Zuhause für die ganze Familie. Erleichtern lässt sich die Auswahl von nachhaltigen und gesunden Baumaterialien unter anderem durch die folgenden beiden Zertifikate:

  1. natureplus: Der Internationale Verein für zukunftsfähiges Bauen und Wohnen vergibt das unabhängige Gütesiegel „natureplus“ ausschließlich an Produkte, die konsequenten Klimaschutz fördern und einen nachhaltigen Ressourceneinsatz gewährleisten. Die Prüfkriterien sind überaus streng und umfangreich, sodass es sich lohnt beim Bauen auf dieses Label zu achten. „natureplus zeichnet nur Produkte aus, die z. B. bei einer Prüfkammeruntersuchung keine Belastungen aufweisen und häufig durch ihre besonderen Eigenschaften sogar das Raumklima verbessern“, heißt es auf der Internetpräsenz von natureplus. Mit naturplus-zertifizierten Baustoffen können sich Bauherren konkret vor Wohngiften schützen.
  2. TÜV Rheinland: Das Toxproof-Zertifikat wird vom TÜV Rheinland innerhalb der Fertighausindustrie für hochwertige und schadstoffgeprüfte Baumaterialien vergeben. Mit diesem Zertifikat ausgestattete Materialien stehen für gesundes Wohnen mit besonders geringe Schadstoffbelastungen. Weiterführende Informationen rund um Toxproof, wurden auf der Website des TÜV-Rheinland zusammengestellt.

Auf diese beiden Gütesiegel wert zu legen, ist übrigens nicht nur aus gesundheitlicher Hinsicht ratsam. Auch finanziell kann sich die Entscheidung bemerkbar machen. Die für Nachhaltigkeit bekannte Ethikbank vergibt sogenannte Ökobaukredite für umweltgerechtes Bauen und entlastet damit Bauherren, die sich für ökologische Baustoffe entscheiden, mit einem Förderbonus in Form eines Zinsabschlags. Umso ökologischer das Bauprojekt gestaltet wird, desto attraktiver die Kondition und geringer die Kreditzinsen. Natureplus- und Toxproof-zertifizierte Baustoffe gehören zu den Förderkriterien für einen derartigen Ökobaukredit. Auf der verlinkten Internetpräsenz der Bank können sich Interessenten näher informieren.

mudpot-62292_1280

Beispiele für ökologisch sinnvolle Baustoffe

Zur besseren Orientierung im Baustoffdschungel wurden einige Beispiele für nachhaltige und gesunde Baustoffe zusammengestellt. Die Tabelle macht auf einige empfehlenswerte Produkte aufmerksam:

MaterialÖko-Faktoren
TrockenbauFür den Innenausbau werden für Ökohäuser gerne ökologisch wertvolle Alternativen wie Lehmbauplatten, Gipskartonplatten, Gipsfaserplatten oder Strohbauplatten eingesetzt.
WärmedämmungZum Dämmen eigenen sich beispielsweise Zelluloseflocken, Holzfaserdämmplatten und Pflanzenfasern. Die Materialien sind von hervorragenden wärmedämmenden Eigenschaften und einem guten Schallschutz geprägt.
MassivbauOb Holzhäuser tatsächlich nachhaltiger sind, als die Massivbauweise mit Mauerziegel ist umstritten. Einige Experten gehen davon aus, dass massiv gebaute Häuser langfristig betrachtet, ökologischer sind. Wer sich für die Massivbauweise entscheidet, ist mit Mauerziegeln gut beraten. Sie werden aus Ton gefertigt und sind für ihre schalldämmenden und diffusionsfähigen Eigenschaften bekannt. Auch Klinker sind beliebt und bestehen ebenfalls aus natürlichen Substanzen wie Lehm, Ton oder ähnlichem. Klinker sind recycelbar und gewährleisten einen zuverlässigen Schutz vor Schlagregen und Wind.
FußbodenUm einen gesunden Fußboden zu verlegen, ist der Griff zu hochwertigem Parkett, Linoleum und Korkboden vorteilhaft. Während Parkett mit optischer Vielfalt begeistert und Korkböden mit fußwarmer und schalldämmender Charakteristik überzeugen, wird Linoleum oft mit synthetischen Produkten verwechselt. Doch Linoleum enthält hauptsächlich Leinöl und wird ausschließlich mit natürlichen Rohstoffen hergestellt. Naturharz, Kalksteinmehl und Holz- oder Korkmehl werden zur Produktion neben dem Öl herangezogen. Weder sind Lösemittel noch Weichmacher oder sonstige negativen Substanzen enthalten.
WandfarbenUm Wände gesund zu gestalten, kann unter anderem auf Lehmfarbe oder Kalkfarben zurückgegriffen werden. Die natürlichen Substanzen in Lehmfarbe beeinflussen das Raumklima durch ihre feuchtigkeitsregulierenden und atmungsaktiven Eigenschaften positiv. Wohngifte kommen darin nicht vor. Kalkfarben sind diffusionsoffen, desinfizierend und ebenfalls feuchtigkeitsregulierend.

seamless-1747004_1280

Beratung durch Baubiologen

Die Beratung durch einen sachverständigen Baubiologen ist in Hinblick auf den bevorstehenden Hausbau nach ökologischen Gesichtspunkten ratsam. Die Experten sind für die „fachgerechte Erkennung, Bewertung und Prävention von Innenraumrisiken in Bezug auf SCHIMMELPILZE, SCHADSTOFFE, elektromagnetische FELDER und STRAHLUNG“ ausgebildet, so die Erläuterung des Berufsverbands Deutscher Baubiologen e.V. online. Baubiologen helfen Wohngiften bewusst aus dem Weg zu gehen und ein gesundes Gebäude zu errichten, das den ökologischen Fußabdruck auf ein Minimum reduziert.

wall-680178_1280

Fazit

Die Auswahl nachhaltig orientierter Baustoffe spielt beim Neubau von Immobilien eine zentrale Rolle. Je sorgfältiger die zahlreichen Entscheidungen gefällt werden, desto höher die Chance ein wohngesundes Zuhause ohne bedenkliche Substanzen zu bauen. In Hinblick auf die teilweise markanten Gesundheitsrisiken und negativen Auswirkungen auf das Ökosystem ist es elementar sich mit den richtigen Alternativen auseinanderzusetzen.

Im Beitrag „Beim Hausbau auf umweltfreundliche Energie setzen“ erfahren Sie mehr über nachhaltiges Bauen.

Quellen der Bilder v.o.n.u.: terimakasih0 / Steppinstars / SojanJanso / 495756 über pixabay.com

The following two tabs change content below.
Manfred Strecker
Manfred Strecker ist Politikwissenschaftler und Mitglied bei Greenpeace. Manfred untersucht seit seinem Jugendalter Möglichkeiten, die Umwelt nachhaltig durch Technologie zu verbessern und schreibt darüber auf Energieinitiative.org .
0.00 avg. rating (0% score) - 0 votes
Share.

Leave A Reply

Show Buttons
Hide Buttons