Marokko enthüllt eine riesige Solaranlage in der Sahara

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Offiziell hat Marokko eine enorme Solaranlage in der Sahara-Wüste in Betrieb genommen. Das ist der erste Schritt eines geplanten Erneuerbare-Energien-Projekts, dessen Ziel es ist, über eine Million Marokkaner mit Ökostrom zu versorgen.

Die Ökostromanlage Noor I befindet sich in der Nähe der Stadt Ouarzazate, am Rande der Sahara. Die Anlage überdeckt tausende von Wüstenacker und ist in der Lage 160 Megawatt Strom zu produzieren. Auch wenn die Anlage der erste Schritt des Projekts ist, gehört sie schon zu den größten Solaranlagen weltweit.

Wenn Noor II und Noor III fertiggestellt werden, wird die Solaranlage die größte eigenständige Solarstromerzeugungsanlage der Welt sein, wie Energyload berichtet.

Momentan ist Marokko hinsichtlich seiner Energenten zu 97 % von Importen abhängig, berichtet die World Bank, die zugleich das Noor-Projekt finanzierte. Die Investition in erneuerbare Energien wird Marokkos Energieabhängigkeit reduzieren und langfristig die Emissionen um mehrere Millionen Tonnen reduzieren.

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Die Solaranlage ist den großen Solaranlagen in der US-amerikanischen Mohave-Wüste ähnlich. Dort verwandeln Solarthermieanlagen Wasser in Dampf, durch welchen Turbinen angetrieben werden und Strom erzeugt wird. Die NASA erklärte letzten Monat:

„Das System in Ouarzazate nutzt 12 Meter große Parabolspiegel, welche die Energie auf mit Flüssigkeit gefüllte Rohrleitungen konzentrieren“, schrieb Kathryn Hansen von der NASA. „Die 393 Grad heiße Flüssigkeit in den Rohrleitungen ist die Hitzequelle, die für die Dampfproduktion genutzt wird. Die Energieproduktion geht auch bei Nacht und an bewölkten Tagen weiter, weil die produzierte Hitze in einem Tank mit geschmolzenen Salzen gespeichert werden kann.“

Wieso meldet sich die NASA? Weil die Anlage, auch wenn sie noch nicht fertig ist, aus dem Weltall gesehen werden kann.

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Die Tatsache, dass die Hitze zur Stromproduktion – etwa dann, wenn die Sonne nicht scheint – gespeichert werden kann, ist ein riesiger Vorteil von Solarthermieanlagen (auch Sonnenwärmekraftwerk genannt). Anders als bei Photovoltaikanlagen, kommt es zu keinem Produktionsstop, falls kurz eine Wolke die Sonneneinstrahlung verhindert. Für die Produktion bei Nacht ist keine Batterie nötig, die den Strom speichert.

In der ersten Phase des Projekts wird die Anlage Noor I, laut BBC, drei Stunden nach Sonnenuntergang weiter Strom produzieren. Nach Beendigung des Projekts wird die Stromproduktion 20 Stunden täglich laufen.

Im Oktober schrieb The Guardian bereits über dieses Projekt. Im Bericht wird erwähnt, dass die Technologie viel teurer und seltener ist, als die Technologie der Anlagen, die sich auf Häuserdächern befinden. Sie ist aber passend, weil sie hoch effizient Strom in der Wüste gewinnen kann:

„Das Potenzial von Solarenergie aus der Wüste ist seit Jahrzehnten bekannt. Kurz nach dem Reaktorunglück in Chernobyl 1986 kam der deutsche Partikelphysiker Gerhard Knies mit einer Berechnung zum Schluss, dass Wüsten weltweit innerhalb weniger Stunden so viel Energie empfangen, um den Strombedarf der gesamten Menschheit für ein Jahr zu decken. Das Problem daran ist jedoch, dass man den dort produzierten Strom in einwohnerreiche Bedarfszentren transportieren müsste.“

„Während die Ingenieure die letzten Feinschliffe an Noor I erledigen, glänzen die 500.000 halbmond-formigen Solarspiegel über den Wüstenhorizont. Die 800 Spiegelreihen folgen der Sonne auf Ihrem Weg über den Himmel, minutenweise leise surrend, während ihre Schatten gen Osten fallen.“

Bald werden sich ihnen Hunderttausende neue Spiegel anschließen: Marokkos König Mohammed VI beauftragte Noor I und eröffnete offiziell den Bau von Noor II und Noor III. Wer weiß: vielleicht wird Gerhard Knies Vision zur Wirklichkeit und wir brauchen uns bald mit dem Stromanbieterwechsel nicht mehr auseinanderzusetzen, weil günstiger Ökostrom aus der Wüste bezogen werden kann.

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Toni Pavicic
Toni leitet das Portal Energieinitiative.org, setzt sich persönlich für regenerative Energien, den Umweltschutz und die Umwelt ein. Mit dem Portal Energieinitiative.org verfolgt er das Ziel, die Besucher zu informieren und das Umweltbewusstsein derselben zu stärken, um einen Dominoeffekt zu erzeugen.
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