Kann Google Solarenergie massentauglich machen?

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Gibt es etwas Besseres, als seinen eigenen Haushalt mit Solarstrom zu versorgen?

Solartechnologie kommt mit dem Vorteil, dass weder Luft noch Wasser verschmutzt werden. Es gibt, außer bei der Produktion der Solarpanels, keinen CO2-Ausstoß, welcher den Klimawandel antreibt. Der Blick auf die tolle Landschaft wird auch nicht zerstört, da Solaranlagen meist auf Dächern installiert werden. Die Installation von Solaranlagen schafft pro Kilowatt auch mehr Arbeitsplätze als der Sektor fossile Brennstoffe. Um Strom aus Sonnenenergie herzustellen, benötigt es auch keine gesonderte Kühlung, die bei Kohle- oder Atomkraftwerken nötig ist und deshalb kann es auch zu keinen Verunreinigungen kommen.

Doch es gibt eine „kleine“ Hürde: die Installation einer solchen Anlage kostet in den USA weit mehr als 10.000 US Dollar. Eine große Investition, die sich natürlich nicht jeder Amerikaner einfach so problemlos leisten kann.

Und genau da tritt ein neuer Fond ein, der von Google und SolarCity eingerichtet wurde. Google investierte 300 Millionen US Dollar in den insgesamt 750 Millionen US Dollar hohen Fond, der das Ziel hat die Investitionskosten für die Endkunden zu eliminieren und Dachinstallationen in die Mittelklasse und in die untere Mittelklasse zu bringen.

„Solartechnologie wurde in gewisser Hinsicht demokratisiert und verfügbarer gemacht“, sagte Jonathan Bass, Vizepräsident von SolarCity gegenüber The Week.

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Eine Solaranlage auf dem Dach ist keine kleine Investition

Ähnliche Abkommen existieren bereits in Form von Leasingangeboten und Stromabkauf-Verträgen. Die beiden Abkommen unterscheiden sich nur geringfügig, wälzen die hohen Installationskosten aber auf einen Dritten ab, der sich um die Installation und die Wartung kümmert, während der Kunde lediglich einen kleinen monatlichen Beitrag für seinen Strom zahlt. Oft erhalten die Kunden auch die Möglichkeit die Solaranlage günstig am Ende der Laufzeit zu kaufen.

Der Fond von SolarCity und Google wird beides bieten, allerdings ist das Ziel ein Anderes: das Ziel dieses Geschäftsmodells ist das Auflösen der Annahme, dass Ökostrom teurer ist als konventionell hergestellter Strom. „Es ist eine Gleichung mit einigen Variablen“, erklärt Bass. Die Variablen sind die konventionellen Strompreise, die in einigen Teilen der USA höher sind als in anderen und die unterschiedliche hoch ausfallende regionale Sonnenbelichtung.

Der Fonds wird also nicht überall eingesetzt werden und seine Wirkung entfalten können. SolarCity ist aber in 14 amerikanischen Bundesstaaten präsent und wird rund 25.000 Haushalte erreichen können und eine Kapazität von 500 Megawatt installieren – eine hervorragende Ergänzung zu den 190.000 Kunden und 1.000 Megawatt, die SolarCity bis Ende 2014 erreichte.

Viele Kunden denken so: „Wenn ich meine Stromrechnung mit Solarenergie senken kann, ohne zusätzliches Kapital am Anfang investieren zu müssen, würde ich das liebend gern machen“, sagte Bass. „Es sind Hausbesitzer, die sich über eine Ersparnis zwischen 20 und 40 US Dollar monatlich freuen würden, da sich der Betrag über mehrere Jahre auf mehrere tausend Dollar summiert“.

Die California Solar Initiative, die 2007 anfing, hat gezeigt, dass es funktionieren kann. Die Initiative hatte auch das Ziel die Hausbesitzer von den hohen Investitionskosten zu befreien und die Vorgehensweise war ganz ähnlich. 2011 konnte die Initiative die Zahl von Dach-Solaranlagen bei Hausbesitzern mit einem Jahreseinkommen zwischen 50.000 und 75.000 US Dollar um 444 % erhöhen. Bei Hausbesitzern mit einem Jahreseinkommen zwischen 75.000 und 100.000 US Dollar gab es einen Anstieg von 381 %. Bei Jahreseinkommen unter 50.000 und über 100.000 US Dollar war die Steigerung nicht sehr hoch.

Zu dieser Zeit betrug das durchschnittliche Jahreseinkommen in Kalifornien rund 61.000 US Dollar, weshalb die oben aufgeführten Zahlen einen Vorbehalt enthüllen: es existiert eine natürliche Grenze bei den Jahreseinkommen, die nicht überschritten werden kann, um nachhaltig und moralisch zu handeln.

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Solarcity und Google finanzieren die Installation und Wartung und der Kunde zahlt eine niedrige monatliche Rate

Ein extremes Beispiel ist die Immobilienkrise, die 2008 in den USA tobte: neben vielen anderen Problemen zogen gewinnorientierte Darlehensgeber ihre Kunden in Hypotheken, deren langfristige Abzahlung unmöglich war. Ein anderes Beispiel dafür war ein Geschäftsmodell, bei dem ein Möbel vermietet wurden und am Ende von den Kunden gekauft werden konnten. Am Ende zahlten die Kunden ein Vielfaches mehr für die Möbel, als diese überhaupt wert waren, was vor allem für einkommensschwache Haushalte verheerend war.

Das sind die schwierigen Punkte, auf die man achten sollte, wenn man ein Abkommen solcher Art eingeht. Im Moment scheint das Vorhaben von Google und SolarCity aber für jeden vorteilhaft zu sein. Was die Kreditwürdigkeit angeht, muss das monatliche Mindesteinkommen lediglich 650 US Dollar betragen. Ob der Betrag weiterhin sinken kann oder soll, ist noch unklar.

„Die Ausfallraten bei Rückzahlungen sind verschwindend gering“, sagt Bass. „Wenn du jemandem die Möglichkeit gibst weniger für seinen Strom zu zahlen, ist die Zahlungsunwilligkeit kein Problem mehr, weil die Stromrechnung ansonsten wieder teurer wird“.

Was das untere Ende der Einkommensleiter angeht, ist es so, dass diese Menschen ihre Wohnungen oder Apartments mieten und keine Hausbesitzer sind, wobei die Anbieter ihre Geschäfte mit den Wohnungsbesitzern und dem Management abwickelt und dabei handelt es sich um ein vollkommen anderes Geschäftsmodell. Derartige Geschäfte sind also genauso nachhaltig und sicher wie die Geschäfte mit den einkommensstarken Eigenheimbesitzern.

Mit dem Fondsmodell von Google und SolarCity kann grüner Strom sowohl Eigenheimbesitzern als auch den einkommensschwachen Amerikanern bereitgestellt werden, während die Strompreise fallen und jeder davon profitiert. Dass das Vorhaben scheitert, ist nicht zu erwarten. Vielmehr könnte sich dieses Modell zu einem Erfolgsmodell entwickeln, das auch von anderen Unternehmen erkannt wird und eine Revolution auslöst.

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Manfred Strecker ist Politikwissenschaftler und Mitglied bei Greenpeace. Manfred untersucht seit seinem Jugendalter Möglichkeiten, die Umwelt nachhaltig durch Technologie zu verbessern und schreibt darüber auf Energieinitiative.org .
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