Japan baut die größte schwimmende Solaranlage

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Die 13,4 Megawatt-Anlage ist das neuste Projekt bei der steigenden Anzahl an schwimmenden Solaranlagen.

Solartechnologie wächst rasant. Immer mehr PV-Panels werden auf Dächern, Industrieparks, Garagen und sogar Rucksäcken installiert. Die Panels werden in letzter Zeit aber auch sehr oft auf Wasseroberflächen installiert.

Kyocera Corporation und die Century Tokyo Leasing Corporation haben diese Woche die Kyocera TCL Solar angekündigt. Dabei handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt beider Unternehmen, bei dem ein schwimmendes Solarkraftwerk mit einer Gesamtkapazität von 13,4 Megawatt im Reservoir des Yamakura-Damms bei Tokio installiert werden soll. Die Anlage soll die größte schwimmende Solaranlage auf der ganzen Welt werden.

Das Projekt, das sich aus insgesamt 50.000 Solarmodulen zusammensetzt, wird jährlich 15.635 Megawattstunden Strom pro Jahr produzieren, was ausreicht, um 4.700 Haushalte zu versorgen. Das Projekt wird von der Century Tokyo Leasing, während die Kyocera die Solarpanels und das benötigte Zubehör stellt. Die Kyocera wird sich auch um die Wartung der Anlage kümmern.

Die Solarpanels werden auf schwimmenden Plattformen installiert, die vom französischen Unternehmen Ciel et Terre hergestellt werden.

Die Anlage soll, laut Kyocera, im März 2016 in Betrieb genommen werden, nachdem die Vertragsverhandlungen mit der Tokyo Electric Power Company und anderen Unternehmen abgeschlossen wurden.

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So wird die größte schwimmende Solaranlage aussehen

Japan hat sich für die schwimmende Solaranlage wegen des Mangels an Land entschieden. Wasser hingegen gibt es ausreichend, weil unter anderem künstliche Wasserwege für den Reisanbau und die Regenwasserkontrolle hergestellt wurden. Den Ansporn dazu lieferte die japanische Regierung nach dem Reaktorunglück in Fukushima 2012.

Letzten Juli baute Ciel et Terre die erste schwimmende Solaranlage für den PV Entwickler West Holdings. Die Anlage hat eine Kapazität von 1,2 Megawatt und befindet sich in Okegawa, nördlich von Tokio. Ciel et Terre baute bereits in Vergangenheit Anlagen in England, Indien und anderen Teilen von Japan. Für den Bau von zehn weiteren Anlagen wurde das französische Unternehmen bereits beauftragt.

Die auf dem Wasser schwimmenden Anlagen werden auch in den USA gebaut. Die in San Francisco befindliche Firma Pristine Sun wurde mit dem Bau einer schwimmenden Solaranlage mit einer Leistung von 15 Megawatt beauftragt, die in den Abwasserpools von Sonoma County positioniert werden soll und im Herbst 2016 in Betrieb genommen werden soll. Auch hier soll Ciel et Terre einen Teil der Ausrüstung liefern. Das Unternehmen bewarb sich auch dafür in San Diego und Atlantic City ähnliche Anlagen zu bauen, wartet derzeit aber noch auf den Auswahlprozess.

„In jedem Land befinden sich große Wassermengen, die aus verschiedenen Gründen existieren“, sagte Eva Pauly, internationaler Business Manager bei Ciel et Terre. „Wenn Solaranlagen auf großen Wasserflächen gebaut werden, entstehen keine Interessenskonflikte auf dem Land und die Anlagen produzieren Energie dort, wo sie gebraucht wird“.

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In jedem Land befinden sich große Wasserflächen, auf denen Solaranlagen Platz finden

Die Installation ist auch einfach und relativ günstig, meint Pauly, weil es keinen Bedarf für Grabungen oder den Bau eines Fundaments gibt. Für den Zusammenbau wird außerdem kein schweres Gerät benötigt. Es werden herkömmliche Solarpanels darauf installiert und mit Spannungswandlern versehen.

Auch wenn es normalerweise keine gute Idee ist, Wasser und Strom miteinander zu kombinieren, sind die schwimmenden Solaranlagen sicher, da keine der elektrischen Komponenten in den direkten Kontakt mit Wasser kommen. Alle Verbindungen werden komplett isoliert. Bei den Kabeln handelt es sich um wasserdichte DC Marine-Kabel, die schon jahrelang in der Wasseraufbereitung und auf Bohrinseln genutzt werden.

Die Systeme sind nicht für den Einsatz im Meer konzipiert, halten aber Taifunen und Wellen bis 2 Metern Stand. Ihr Einsatzgebiet sind eher Seen, Reservoirs und andere künstlich erschaffene Wasserflächen in der Nähe eines Stromnetzes, damit der Strom direkt an die Verbraucher weitergegeben werden kann.

Schwimmende Solaranlagen sparen des Weiteren hunderte Liter Wasser, weil sie das Verdampfen unterbinden und arbeiten noch effizienter, da die sie die natürliche Wasserkühlung nutzen. Laut Pauly sind insbesondere Wasseragenturen an den schwimmenden Solaranlagen interessiert, weil viele von ihnen die Vorgabe haben, ihren CO2-Ausstoß zu reduzieren und sie daran interessiert sind Wasser zu erhalten. Das trifft insbesondere in Kalifornien zu, wo es regelmäßig lange und starke Dürreperioden herrschen.

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In Kaliforniern herrschen teilweise starke Dürreperioden

 

Ciel et Terre ist jedoch nicht das einzige Unternehmen, das im Bereich schwimmende Solaranlagen aktiv ist. Die australische Firma Sunengy beispielsweise hat bereits schwimmende Solaranlagen in Indien installiert. Global Environmental Infrastructure Technology Solutions projektiert gerade eine schwimmende Solaranlage in Adams County, Wisconsin.

Diese Projekte erhalten momentan viel Zugkraft, weil Land in den meisten Ländern sehr teuer oder gar nicht verfügbar ist und wenn die Verfügbarkeit gegeben ist, befindet sich das Land abseits von Gebieten, in denen viel Strom benötigt wird. Installationen auf Dächern sind eine gute Alternative, aber noch lange nicht so stark, weil die Panels eher klein sind und nicht alle Dächer dafür geeignet sind.

Trotzdem sind die schwimmenden Solaranlagen teurer als auf dem Land installierte Anlagen. Angaben über die Kosten des Solarprojekts hat Kyocera bisher noch nicht veröffentlicht.

Mit drei Jahren Erfahrung hat Ciel et Terre die schwimmenden Solaranlagen industrialisiert und bewiesen, dass sie sich lohnen. Der einfache Installationsprozess, die erhöhte Effizienz und die Produktionsstätten in Japan und Frankreich konnten die Kosten stark senken. In Japan müssen alle Bauten erdbebensicher sein, weshalb Zivilarbeit sehr teuer ist. Deshalb sei das Interesse an schwimmenden Solaranlagen größer als an Anlagen, die auf dem Boden installiert werden, sagte Pauly.

Viele sehen schwimmende Solaranlagen aber nach wie vor als eine gute Methode, staatliche Subventionen abzustauben. Als Englands erste schwimmende Solaranlage letzten August installiert wurde, sagte John Constable, Direktor der Renewable Energy Foundation, für den Telegraph aus, dass die schwimmenden Solaranlagen ein lukrativer Weg seien, um an staatliche Subventionen zu gelangen.

Die Zeit wird zeigen, ob die schwimmenden Solaranlagen in Zukunft noch weiter schwimmen oder irgendwann im Wasser versinken.

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Manfred Strecker ist Politikwissenschaftler und Mitglied bei Greenpeace. Manfred untersucht seit seinem Jugendalter Möglichkeiten, die Umwelt nachhaltig durch Technologie zu verbessern und schreibt darüber auf Energieinitiative.org .
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