Ist Divestment die einzige Lösung für die Klimakatastrophe?

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Keine Frage: uns steht eine Klimakatastrophe bevor. Sie befindet sich auf ihrem Weg und verursacht weltweit Leiden und Zerstörung. In zwei Jahrzehnten, in denen sich Aktivisten, Umweltschützer und Investoren darum bemüht haben den Kohlendioxidausstoß zu verringern, wurde noch immer keine konkrete Lösung für dieses Problem gefunden. Letztens hat der Autor und Aktivist Bill McKibben Investoren dazu aufgerufen, ihre Wertpapiere und Anleihen aus Unternehmen, die in der Branche fossiler Brennstoffe tätig sind, zurückzuziehen. Die Kampagne verursachte verschiedene Effekte, wovon einige positiv, einige negativ und einige kontraproduktiv waren. Zugegeben: McKibben hat in der Kampagne, die zusammen mit dem Portal 350.org gestartet wurde, das Bewusstsein über die Klimaprobleme gesteigert und viele Leute dazu gebracht gewisse Schritte zu unternehmen, insbesondere Studenten und Gläubige. Darüber hinaus wurde Druck auf Investoren ausgeübt, was sie dazu verleitete darüber nachzudenken, wie ihr Kapital dafür eingesetzt werden könnte, um Lösungen für die bevorstehende Klimakatastrophe zu finden. Gleichzeitig liegt der Fokus des SRI (Socially Responsive Investing) nun auf Debatten über das Divestment, anstatt das Problem anzugehen. Wir behandeln unsere guten Verbündeten wie Feinde. Das ist alles andere als produktiv.

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In den USA bekommt die Divestment-Bewegung immer mehr Anhänger

Was McKibben nicht anerkennt ist, dass Gesellschafter Unternehmen beeinflussen können. Als Eigentümer, können Gesellschafter eine wichtige Rolle bei der Beeinflussung von Unternehmensrichtlinien spielen. Es gibt dabei viele Möglichkeiten, wie Gesellschafter Gehör finden können: Aktionärsanträge, Briefe an die Unternehmensleitung sowie Dialoge mit dem Unternehmen sind nur einige Beispiele darüber, wie Unternehmensrichtlinien geändert werden können. Divestment ist dabei nur eine Taktik, womöglich nicht die Effizienteste, wenn es um Veränderungen geht. Ganz im Gegenteil: würden die Investoren, bzw. Gesellschafter, die eine Veränderung möchten, ihre Investitionen abziehen, würde der Vorstand des Unternehmens eine Flasche Champagner öffnen. Es liegt nämlich in ihrem Interesse, sich von Gesellschaftern zu trennen, die bei Jahrestreffen unangenehme Fragen stellen und sich für den Umweltschutz einsetzen. Sie würden durch andere Investoren ersetzt werden, die weniger Fragen stellen. Die fehlenden Gesellschafter / Umweltaktivisten würden keine Veränderung mehr bewirken können. 350.org offenbart nur wenig über die steigende Zahl an Investoren, die im vergangenen Jahrzehnt bemüht waren Veränderungen zu bewirken. In den 90er Jahren waren es nur die SRI Investoren, die erkannt haben, dass die Klimaveränderung maßgeblich mit Investitionen zusammenhängt. Im Jahre 2003 hat die Interessengruppe Ceres das Investor Network on Climate Risk organisiert. Die Gruppe steht mittlerweile für 11 Billionen Dollar an Investitionen in der Geschäftsführung verschiedener Firmen und hat bereits mehrere starke Aussagen über die Umweltelevanz gemacht, die Investitionen bewirken können. Darüber hinaus haben Investoren bereits einige Siege feiern können. Das hier sind einige von ihnen:

  • Die wichtigste Steigerung von Verbrauchsstandards für Automobile einer Generation
  • Dutzende Unternehmen haben aufgehört das American Legislative Exchange Council und das Heartland Institute zu unterstützen, da sie Klimaveränderungen leugnen
  • Veröffentlichung und Verteilung von verschiedenen Strategien zur Treibhausgasreduktion an zahlreiche Unternehmen

Das alleine reicht aber natürlich nicht aus. Die Konzentration an Treibhausgasen in der Atmosphäre steigt unaufhaltsam. Unsere gewählten Volksvertreter sehen dabei aber nur zu und sprechen das Problem nicht einmal an. McKibben argumentiert, dass Divestment die einzig moralische Antwort auf die Klimaänderung ist. Zugegeben: es ist gant schön einfach Unternehmen, die fossile Treibstoffe herstellen, als böse darzustellen und ihnen die Schuld in die Schuhe zu schieben. Diese Unternehmen decken aber lediglich die Nachfrage der Verbraucher – und das sind wir.

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Bill McKibben – eiserner Berfürworter der Divestment-Bewegung

Die Wahrheit ist, dass es eine einfache Möglichkeit gibt, den Öl-Unternehmen Schaden zuzufügen und sie heißt nicht Divestment – es ist der Boykott ihrer Produkte. Und das ist der Kern des Problems. Fossile Brennstoffe sind ein Teil unserer Wirtschaft, unserer Finanzmärkte und unserer Leben. Wenn du der Meinung bist, dass dein Portfolio frei von fossilen Brennstoffen sein soll, solltest du dann nicht selbst auf die Nutzung von fossilen Brennstoffen verzichten? Unternehmen aus dem Bereich fossile Brennstoffe werden mit der Produktion von Öl, Gas, Strom und Kohle weitermachen, so lange die Nachfrage dafür existiert. Um auf weniger umweltbelastende Treibstoffe umzusteigen, muss der Ausstoß von Kohlendioxid teuer werden, was strenge Verordnungen voraussetzt. Wenn der wahre Preis fossiler Treibstoffe erkennbar wird – und dazu zählt auch der Preis für Umweltverschmutzung, Gesundheitsschäden usw. – werden Alternativen attraktiver und der Wechsel zu den Alternativen realistisch. Energieunternehmen werden aber aus einem bestimmten Grund gerne als Feind dargestellt: sie haben die Politik beeinflusst und damit Lösungsansätze, die dem CO2-Ausstoß ein Ende setzen sollten, bereits vor der Entstehung blockiert. Investoren können aber genau diese Energieunternehmen in gleicher Weise beeinflussen und zu Änderungen bewegen. Exxon beispielsweise verwandelte sich in aller Stille, weil Investoren Druck ausgeübt haben, vom Klimawandel-Verweigerer zum Befürworter von CO2-Steuern. Energieunternehmen müssen dazu gebracht werden, ihre Investitionen in effizientere Technologien fließen zu lassen, die weniger CO2 verursachen. Das geschieht bereits, doch kann der Druck von Investoren diesen Prozess zusätzlich beschleunigen. Den Leuten, deren Leidenschaft von McKibben entfacht wurde, sollte man Gehör schenken. In der Vergangenheit war die Ausübung von Druck auf die Unternehmen sehr effektiv. Die Klimaveränderung nähert sich aber gnadenlos und deshalb brauchen wir konkrete Änderungen, die uns schnell vor weiteren Katastrophen schützen. Die Nachricht der Leute an aktivistische Investoren lautet: die Ziele müssen erreicht werden. Investoren sollten folgende Ideen in die Tat umsetzen:

  • Die Investitionen noch stärker kontrollieren, um sie aus Unternehmen abzuziehen, die einen negativen Effekt auf Umwelt und Politik haben
  • In saubere Technologien (Cleantech) investieren
  • Druckausübung auf Politik und Unternehmen, damit effektive klimapolitische Gesetze durchkommen
  • Die Stärkung des Mitspracherechts bei Unternehmen
  • Ausübung von Druck auf große Anteilshaber eines Unternehmens

Für Einige könnte Divestment eine Option sein. Wenn jemand seine Investitionen abzieht, sollte das aber nicht im Stillen passieren. Die Gründe des Abzugs sollten immer laut verkündet werden, damit klar wird, dass es so nicht weitergehen kann. Es ist sehr wichtig, dass Investoren clevere, laute und kühne Aussagen machen. Auf diese Weise kann das kollektive Bewusstsein gesteigert werden und es werden sehr viele andere Investoren dazu gebracht, sich Gedanken darüber zu machen, was sie für das Klima tun können.

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Toni Pavicic
Toni leitet das Portal Energieinitiative.org, setzt sich persönlich für regenerative Energien, den Umweltschutz und die Umwelt ein. Mit dem Portal Energieinitiative.org verfolgt er das Ziel, die Besucher zu informieren und das Umweltbewusstsein derselben zu stärken, um einen Dominoeffekt zu erzeugen.
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