Hohe Strompreise: Ein Wechsel des Stromanbieters kann sich lohnen!

0

Seit Jahren reißen die Strompreise an den Börsen einen Tiefpunkt nach dem nächsten. Bei den Verbrauchern kommt dieser Preissegen jedoch nicht an. Gerade in Deutschland liegt das Strompreisniveau nach wie vor sehr hoch. Doch warum ist das eigentlich so? Die Antwort ist mehr als verblüffend! In diesem Artikel soll deshalb genauer aufgezeigt werden, wie die hohen Strompreise zustande kommen und warum sich deshalb ein Anbieterwechsel für Verbraucher durchaus lohnen kann.

Glühbirne voller Münzen als Symbol für Kosten

Bild: Die Strompreise sind für Verbraucher in den letzten Jahren eher gestiegen. Quelle: kaczor58 – 92048705 / Shutterstock.com

Die Entwicklung der erneuerbaren Energien und der Klimawandel haben hierzulande mittlerweile ein großes Bewusstsein für Umweltschutz und Sparmaßnahmen in punkto Energie geschaffen. Stromsparen liegt mittlerweile im Trend und es gibt zahlreiche Optionen, dies zu erreichen. Die hohen Strompreise in Deutschland haben natürlich dazu beigetragen. Laut einer Auswertung der Bundesnetzagentur zahlten Verbraucher mit einem Grundversorgungsvertrag im April 2015 durchschnittlich 30,1 Cent pro kW/h, während der Preis im April 2011 noch bei 25,9 Cent lag. Doch wie erklärt sich dieser Preisanstieg, wenn die Preise an der Strombörse stetig sinken? Geben die Anbieter die Preissenkungen nicht weiter oder ist die EEG-Umlage schuld?

Strompreise für Haushaltskunden

Niedrige Börsenpreise und hohe Verbraucherpreise – wie kann so etwas passieren?

Das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) hat in einem sehr ausführlichen Artikel beschrieben, wie der scheinbare Widerspruch aus niedrigen Börsenpreisen und hohen Verbraucherpreisen zustande kommt.  Dieser zeigt zudem die sehr gegenläufige Entwicklung auf:

 20112015Veränderung (total)Veränderung (Prozent)
Börsenpreis (Terminmarkt EEX)5-6 Cent /kW/h2-3 Cent/ kW/hCa. minus 3 Cent/ kW/hCa. minus 50%
Verbraucherpreis25,9 Cent/ kW/h30,1 Cent/ kW/hPlus 4,2 Cent/ kW/hPlus 16,23%
Tabelle 1: Gegensätzliche Entwicklung für Energieunternehmen und Verbraucher

Für diese Entwicklung ist letztlich tatsächlich die EEG-Umlage verantwortlich, jedoch ist der Zusammenhang anders als zunächst vermutet. Die EEG-Umlage berechnet sich aktuell vereinfacht dargestellt nämlich folgendermaßen:

Festvergütung für EEG-Strom (Windkraft, Wasser, Geothermie, Solar)
- Stromerlös an der Börse (Börsenpreis)
= EEG-Umlage

Daraus ergibt sich paradoxerweise, dass niedrigere Börsenpreise für Strom letztlich zu einer höheren EEG-Umlage führen, da die Festvergütungen an die Erzeuger der regenerativen Energien gezahlt wurden. Laut IWR ist diese Regelung seit der EEG-Novellierung im Jahr 2010 so konzipiert und sorgt zudem für eine weitere Entwicklung:

  • Der EEG-Strom wird nicht mehr direkt an die Stromanbieter geliefert, sondern muss an der Strombörse verkauft werden.
  • Somit erhöht er das Angebot, da viele große Stromversorger ja nach wie vor große Kontingente an konventionell hergestelltem Strom anbieten.
  • Ein höheres Angebot sorgt wiederum für niedrigere Preise, die ihrerseits die EEG-Umlage wieder erhöhen.

Da die Anbieter entsprechende Strompreissenkungen im Einkauf zudem nicht an die Kunden weitergeben, aber die EEG-Umlage voll einpreisen, entstehen steigende Verbraucherpreise bei gleichzeitig deutlich günstigeren Preisen in der Beschaffung.

Stromkosten senken – mit einem Anbieterwechsel durchaus möglich

Natürlich lassen sich die Stromkosten innerhalb eines gewissen Rahmens auch durch stromsparende Maßnahmen senken. Dazu gehören:

  • Nirgends unnötig Licht brennen lassen
  • Elektrische Geräte generell nur bei Bedarf laufen lassen
  • Standby-Modi vermeiden
  • Keine heißen Waschprogramme nutzen
  • Stromfresser identifizieren

Doch eine deutlich größere Einsparung erreicht ein Haushalt meistens durch einen Wechsel des Stromanbieters. Dies gilt insbesondere für Verträge bei sogenannten Grundversorgern. Bei Grundversorgern handelt es sich nämlich um die Anbieter, die in ihrer Region nach §36 Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) dazu verpflichtet sind, jeden Kunden mit Strom versorgen. Im Normalfall handelt es sich dabei jedoch nicht um die günstigsten Anbieter, sondern die Konditionen bewegen sich eher im oberen Preisbereich. Fast ein Drittel der Stromkunden haben nach den jüngsten Zahlen der Bundesnetzagentur noch alte Verträge. Mit einem Wechsel lassen sich teils hunderte Euro sparen. Dies erreichen günstige Stromanbieter durch Paketpreise, gute Preisverhandlungen mit Netzbetreibern und schlanke Strukturen.

Infografik zur Stromrechnung

Infografik: Stromrechnung für einen 3-Personen-Haushalt in Deutschland von 2001-2016 (*2016= Schätzung), Quelle: Energieinitiative.org, Statista

Was sollte bei einem Anbieterwechsel beachtet werden?

Wer sich für einen Anbieterwechsel interessiert, um die eigenen Stromkosten zu senken, sollte dabei jedoch auf einige Aspekte achten. Auf diese Weise lässt sich verhindern, am Ende trotz vermeintlich günstiger Angebote in einer Kostenfalle zu sitzen. Dabei sind vor allem folgende Details wichtig:

  • Laufzeiten: Stromverträge mit langen Laufzeiten können zwar am Anfang sehr günstig ausfallen, jedoch berauben sich Stromkunden somit der Möglichkeit, nach einer gewissen Zeit einen neuen Wechsel anzustreben, um eventuell von günstigeren Angeboten zu profitieren. Eine Laufzeit von 12 Monaten ist jedoch durchaus angemessen.
  • Preisgarantien: Eine Preisgarantie über die gesamte Laufzeit (12 Monate) hinweg bietet den Kunden eine gewisse Planungssicherheit. Auf diese Weise bleiben böse Preisüberraschungen erst einmal aus.
  • Abschläge: Einige besonders günstige Tarife werden mit hohen Abschlagszahlungen versehen. Wer jedoch bereits für 12 Monate im Voraus seinen Strom bezahlt, bleibt auf den Kosten sitzen, wenn der Stromanbieter vorher Insolvenz anmelden muss. Aus diesem Grund sollten Kunden von solchen Tarifen eher Abstand nehmen.
  • Paketpreise: Pakettarife haben im Strombereich zwei wesentliche Merkmale. Der Paketverbrauch wird zu einem sehr niedrigen Preis angeboten. Ein eventueller Mehrverbrauch ist jedoch oftmals mit sehr hohen Kosten pro kW/h verbunden. Aus diesem Grund sollten potenzielle Kunden solche Tarife nur wählen, wenn sie den eigenen Verbrauch sehr gut einschätzen können.

Wer diese Punkte bei einem Anbieterwechsel beherzigt, kann sich vor Kostenfallen schützen und am Ende durch den neuen Tarif mitunter viel Geld sparen.

Fazit

Die Preise an den Strombörsen sind in den letzten Jahren kräftig gefallen. Dazu haben in Deutschland auch die regenerativen Energien beigetragen, da sie für ein größeres Stromangebot sorgen. Leider konnten die Verbraucher kaum davon profitieren, da die EEG-Umlage stark gestiegen ist und die Anbieter die Preissenkungen zudem kaum an die Kunden weitergegeben haben. Wer sich also für eine Senkung seiner Stromkosten interessieren kann zum einen Energie einsparen und zum anderen auf günstigere Anbieter setzen. Dies ist vor allem für Kunden von Grundversorgern interessant, da hier ein besonders großes Sparpotenzial vorliegt. Bei der Anbieterwahl sollten zudem die Verträge genau gecheckt werden, um letztlich nicht in der Kostenfalle zu sitzen.

The following two tabs change content below.
Toni Pavicic
Toni leitet das Portal Energieinitiative.org, setzt sich persönlich für regenerative Energien, den Umweltschutz und die Umwelt ein. Mit dem Portal Energieinitiative.org verfolgt er das Ziel, die Besucher zu informieren und das Umweltbewusstsein derselben zu stärken, um einen Dominoeffekt zu erzeugen.
0.00 avg. rating (0% score) - 0 votes
Share.

Leave A Reply

Show Buttons
Hide Buttons