Gas- und Ölförderung durch Fracking – Deutschland ebnet den Weg

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Die Bundesregierung hat neue Pläne, die das Fracking-Verbot künftig beenden könnten. So können Gas- und Öl in Zukunft auch in Deutschland aus Schiefergestein gewonnen werden. Wann wird es soweit sein? Und mit welchen ökologischen Konsequenzen, die durch das Fracking entstehen, kann gerechnet werden?

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Viele Jahre scheideten sich die Geister über das Thema Fracking in Deutschland. Die Diskussion wird aber bald ein Ende haben. Es liegt ein neuer Gesetzentwurf vor, der Ende 2014 vom Bundeskabinett verabschieded wurde.

Das Fracking ist ein Verfahren, bei dem durch Bohrungen Öl und Gas gewonnen werden können, indem Gesteinsschichten, in denen die fossilen Brennstoffe festsitzen, gelockert werden. Die Bohrungen sind oft mehrere tausend Meter tief. Aufgelockert wird das Gestein durch eine Wasser-Sand-Mischung, die unter Druck in den Bohrkanal geleitet wird und dort das Gestein sprengt („frackt“). Damit das Gestein offen bleibt, müssen chemische Zusatzstoffe hinzugefügt werden. So können die fossilen Brennstoffe leichter an die Oberfläche gelangen. Die Fracking-Industrie arbeitet an Methoden, die auch ohne chemische Zusatzstoffe funktionieren. Sie sollen in Zukunft zum Einsatz kommen.

Es gibt dabei zwei Methoden des Fracking, die je nach Gesteins-Art zum Einsatz kommen:

  1. das konventionelle Fracking, dessen Lager nur ein Mal gesprengt werden müssen, um das Gas zu fördern. Das Gas wird im Fachjargon auch „tight gas“ genannt. Die Bohrung muss dabei tiefer als 3000 Meter sein. Diese Art des Frackings wird schon Jahrzehnte in Norddeutschland betrieben, um Erdgas zu fördern.
  2. das „unkonventionelle“ Fracking erfordert mehrere Bohrungen und Sprengungen, damit die fossilen Brennstoffe gefördert werden können. Eine 2000-Meter-Bohrung reicht dabei vollkommen aus. Die begehrten Rohstoffe befinden sich deutschlandweit ungefähr in dieser Tiefe.

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Die Problematik beim Fracking

Die größten Bedenken beim Fracking treten beim Thema Wasserschutz auf. Die Schichten, aus denen unser Trinkwasser gewonnen wird, liegen zwar nur einige Meter unter der Erdoberfläche und damit viel höher als die Schichten, aus denen Gas und Öl gewonnen wird, die meist ab 2000 Metern Tiefe anfangen und bleiben deshalb vom Fracking unbetroffen. Die wasserführenden Schichten werden jedoch bei den Bohrungen durchstoßen, wodurch es zu Verschmutzungen kommen könnte, insbesondere durch die Chemikalien, die momentan noch benötigt werden, um Fracking betreiben zu können. Besonders problematisch ist der „Flow Back“. Das ist das Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien, das nach der Sprengung wieder zurückgeführt wird und an die Oberfläche gelangt. Zwar soll durch spezielle Verfahrenstechniken verhindert werden, dass das Gemisch in das Trinkwasser gelangt, doch muss die Brühe auch abtransportiert und speziell gelagert werden, was eine ökologische Belastung darstellt.

Auch wurden die langfristigen Folgen, die durch das Fracking entstehen, noch nicht analysiert und festgestellt. In Großbritannien etwa kam es durch Bohrungen zu Erdbeben, worauf die Behörden die Bohrungen anhielten.

Die Rechtslage zum Thema Fracking

Auch wenn das Fracken nicht verboten ist, müssen strenge Umweltvorschriften eingehalten werden, deren Einhaltung von den Landeswasserbehörden kontrolliert wird. Da neue Vorschriften geplant sind, wurde in den letzten Jahren keine neue Erlaubnis mehr vergeben.

Die neuen Vorschriften fokussieren sich noch stärker auf den Schutz der Gesundheit und des Trinkwassers. In Wasserschutzgebieten, Heilquellenschutzgebieten und in Einzugsbereichen von Talsperren ist Fracking komplett verboten, damit die gefährlichen Chemikalien auf keinen Fall in das Trinkwasser gelangen können. Die Vergabe einer Fracking-Erlaubnis durch die Bergbehörde ist nur unter vorheriger Absprache mit der Wasserbehörde möglich. So bleibt das konventionelle Fracking, mit Bohrungen bis zu 3000 Metern, erlaubt. Das unkonventionelle Fracking bis zu 2000 Metern ist, außer für wissenschaftliche Zwecke, verboten. Auch bei wissenschaftlichen Bohrungen muss nachgewiesen werden, dass die gefährlichen Chemikalien nicht in das Wasser gelangen.

Bei erfolgreichen wissenschaftlichen Bohrungen, kann anschließend auch ein kommerzielles Fracking an der selben Stelle zugelassen werden. Voraussetzung dafür ist die Zustimmung einer Kommission aus sechs Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Institutionen und Behörden, die bestätigen, dass es keine Gefahren für Trinkwasser und Umwelt gibt. Letztlich entscheidet die zuständige Landesbehörde, ob die Erlaubnis erteilt wird oder nicht.

Ab wann gelten die neuen Gesetze?

Nach der nächsten Bundestagswahl, die Mitte 2018 stattfindet, wird die Kommission sich mit dem Thema auseinandersetzen. Wissenschaftliche Bohrungen könnten frühstens 2019 durchgeführt werden. Der ursprünglich geplante Beschluss des Bundestags, bei dem es über die Erlaubnis des Frackings im Jahre 2021 ging, wird deshalb entfallen. Bis dahin kann der Gesetzgeber allerdings neue Vorgaben in den Beschluss einbringen.

Wieso das Fracking so umstritten ist

In Deutschland scheiden sich die Geister zu Thema Fracking. Bisher scheiterte eine Erlaubnis aufgrund von vielen Gegnern, die ökologische Konsequenzen befürchten. Vor allem Landwirte sind dagegen. Sie argumentieren mit dem Punkt Gewässerschutz. Auch gibt es viele Gegner, die den Ausbau von erneuerbaren Energien und die ökologische Produktion von Strom und anderen Energiearten befürworten. Fossile Brennstoffe sollen daher gar nicht mehr genutzt werden, um den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Befürworter aus der Wirtschaft sehen das aber anders. Sie deuten an, dass auf diese Weise die Energiepreise sinken könnten, wie es auch in den USA passiert ist. Außerdem könnte sich Deutschland eine größere Unabhängigkeit und Stabilität der Gasversorgung von Russland sichern.

Eine mögliche Konsequenz durch das Fracking: Gas im Trinkwasser (Beispiel aus der USA)

Eine mögliche Konsequenz durch das Fracking: Gas im Trinkwasser (Beispiel aus der USA)

Großes Vorbild sind die Vereinigen Staaten, wo Fracking im großen Stil betrieben wird. Die USA verwandelte sich seitdem von einem Importeur in einen Exporteur von fossilen Brennstoffen. Allerdings sind die ökologischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der USA nicht mit den Deutschen vergleichbar, weshalb noch abzuwarten ist, ob in Deutschland Fracking im amerikanischen Umfang betrieben werden kann.

Was sagst du zum Thema Fracking? Ist es lohnenswert oder überwiegen die ökologischen Konsequenzen? Hinterlasse deinen Kommentar.

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Manfred Strecker ist Politikwissenschaftler und Mitglied bei Greenpeace. Manfred untersucht seit seinem Jugendalter Möglichkeiten, die Umwelt nachhaltig durch Technologie zu verbessern und schreibt darüber auf Energieinitiative.org .
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