Fracking – Nötiges Übel oder unnötiges Risiko?

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Bis zu Beginn des letzten Jahres kannte in Deutschland kaum jemand das Wort „Fracking“, und nur wenige Menschen wussten, dass hinter diesem Begriff das Aufbrechen von tiefen Gesteinsschichten mit dem Ziel der Erdgasgewinnung steckt. Doch seit die deutsche Bundesregierung darüber nachdachte, Fracking auch in Deutschland auszubauen, ist die umstrittene Methode in aller Munde.

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Fracking“ ist die Abkürzung für „Hydraulic Fracturing“ (Hydraulisches Aufbrechen) und bezeichnet eine Bergbaumethode, bei der eine Flüssigkeit mit einem Chemikaliengemisch in bis zu zweitausend Meter tiefe Bohrlöcher im Boden eingepresst wird, um undurchlässige Gesteinsschichten aufzubrechen und anschließend Erdgas oder Erdöl zu gewinnen.

Erdgas tritt in zwei Formen auf: In porösem Gestein ist es frei beweglich und sammelt sich unter einer nach oben geschlossenen Gesteinsschicht (konventionelles Vorkommen). Bohrt man ein Loch in diese obere Gesteinsschicht, kann das Erdgas ausströmen; es handelt sich dabei um die konventionelle Erdgasförderung.

Beim Fracking hingegen werden unkonventionelle Erdgaslagerstätten angezapft. Das Gas ist hier in kleinen Hohlräumen in Sand- oder Kalksteinen, die untereinander nicht verbunden sind, eingeschlossen oder befindet sich zwischen den Schichten von Schiefergestein (Schiefergas). In beiden Fällen kann sich das Erdgas nicht frei durch das Gestein bewegen, so dass das Gestein des gesamten Erdgaslagers mittels Fracking aufgebrochen werden muss, um ein Porensystem zu schaffen und an das unkonventionelle Gas zu gelangen.

Um beim Fracking eine unkonventionelle Lagerstätte zu erschließen, wird eine senkrechte Bohrung vorgenommen und im Bereich der Lagerstätte horizontal weitergeführt. Das horizontale Rohr wird perforiert, und danach wird unter enormem Druck von bis zu 1500 bar ein Wasser-Chemikalien-Gemisch, das sogenannte Fracfluid, eingeleitet. Es wird aus dem Rohr heraus in die Gesteinsschichten gepresst, dringt dort in kleinste Risse ein und erweitert sie; das Gestein wird also buchstäblich aufgesprengt. Dem Flüssigkeitsgemisch ist Sand beigemischt, der sich in die Risse setzt und sie offen hält.

Welche anderen Zutaten das Fracfluid im Detail enthält, wird von den Energiekonzernen geheim gehalten. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn unter den rund sechshundert Stoffen, die durch Analysen von Umweltschutzorganisationen bekannt geworden sind, finden sich zahlreiche potenziell gefährliche Chemikalien wie Benzole, Salzsäure, Glykolether, verschiedene Biozide zur Hemmung des Bakterienwachstums, Tenside, Formamid, Tetramethylammoniumchlorid und Petroleumdestillate. Viele dieser Stoffe sind krebserregend, greifen in den menschlichen und tierischen Hormonhaushalt ein, verursachen neurologische Schäden und sind wassergefährdend. Mit solch einer Zutatenliste und der Aussicht darauf, dass das Gemisch in die Umwelt gelangen könnte, will freilich kein Gaskonzern hausieren gehen.

Um das gesamte Erdgas einer unkonventionellen Lagerstätte zu fördern, reicht aufgrund der Undurchlässigkeit des Gesteins eine einzige Bohrung nicht aus. Deshalb müssen in einem Bereich zahlreiche Horizontalbohrungen erfolgen, die die Landschaft grundlegend verändern. Die hohe Dichte an Bohrungen verlangt auch einen viel größeren Einsatz an Chemikalien als die herkömmliche Gasförderung – Chemikalien, die entsorgt werden müssen oder in den Gesteinsschichten verbleiben und sich von dort aus ihren Weg ins Grundwasser oder in oberirdische Wasserreservoir bahnen können.

Die USA und ihr Problem mit Fracking

In den USA wird Fracking schon lange genutzt und ist fast jedem amerikanischen Bürger bekannt. Nicht nur, weil Amerika mithilfe von Fracking unabhängig von ausländischem Erdgas wurde und mittlerweile neunzig Prozent des gesamten Erdgasvorkommens in den USA mittels Fracking erschlossen wird, sondern vor allem, weil zahllose Bürger in ganz Amerika unter den Folgen des Fracking zu leiden haben.

In den USA finden sich große Erdgasvorkommen in Schieferbassins, die sich über mehrere Bundesstaaten erstrecken. Im Jahr 2009 waren bereits rund 450.000 Förderbrunnen vorhanden; bis heute hat sich die Zahl verdoppelt. In den Schiefergasvorkommen reichen die Bohrungen bis zu zweitausend Meter tief und werden häufig auf öffentlichem Land vorgenommen, das von den Öl- und Erdgasfirmen lediglich gemietet wurde. So wird Land, das zuvor öffentlich nutzbar war und einzigartige Lebensräume beherbergte, von wenigen Firmen binnen kurzer Zeit in Wüsten aus Bohrtürmen, Bohrlöchern und Abwasserbecken verwandelt. Viele Menschen sind mittlerweile von Bohranlagen geradezu umzingelt – und können sich nicht dagegen wehren.

Die Verwendung hunderter giftiger Chemikalien für das Hydraulic Fracturing rächt sich in den USA ebenfalls schon lange. Wenn das Gas an die Erdoberfläche befördert wird, ist es feucht, das heißt, Teile des Fracfluids sind im Gas enthalten. In kleinen Raffinerien direkt am Bohrloch wird das Wasser und somit auch die enthaltenen Chemikalien verdampft und in Kondensat-Tanks gelagert. Ein beträchtlicher Teil der Schadstoffe entweicht aus diesen Tanks oder wird aus Entlüftungsrohren einfach in die Umwelt freigelassen und bildet ganze Schadstoffwolken, die die Nachbarschaft verseuchen. Tückisch daran ist, dass viele organische Verbindungen farblos und teilweise auch geruchsneutral sind und die Menschen die Gefahr erst spät bemerken. Doch auch, wenn die Schadstoffwolken bemerkt werden, bleibt den Anwohnern kaum eine Möglichkeit, sich zu schützen, und so atmen viele Bürger der USA teilweise seit Jahren jeden Tag krebserregende Stoffe und Nervengifte wie Benzole und Naphthalin ein.

Schwere Vergiftungen, Krebserkrankungen, der Verlust des Geschmacks- und Geruchsinns und bleibende Hirnschäden wurden bei vielen Bürgern, die in Nachbarschaft zu einer Fracking-Anlage leben, festgestellt. Auch Haus- und Wildtiere versterben teilweise sehr plötzlich oder magern ab und verlieren ihr Fell. Über Fleisch, das von Nutztieren aus Fracking-Gebieten stammt, nehmen die Menschen wiederum weitere Giftstoffe auf.
Die giftigen Fracfluide verursachen außerdem großen Schaden in unter- und oberirdischen Wasservorkommen.

Die Hälfte des giftigen Wassers, das in die Bohrlöcher gepumpt wird, kommt wieder zurück an die Oberfläche; dies ist das sogenannte „produzierte Wasser“. Darin enthalten ist auch das sogenannte Lagerstättenwasser. Lagerstättenwasser ist Wasser, das sich in der Erdgaslagerstätte selbst befindet und beim Fracking aus den Gesteinsschichten gelöst und mit an die Oberfläche transportiert wird. Durch den hohen Druck und hohe Temperaturen in den Gesteinsschichten ist es hochmineralisiert und kann neben Methangas auch Benzole, Toluol, Schwermetalle und radioaktive Substanzen enthalten.

Die Mischung aus Fracfluid und Lagerstättenwasser ist mit Chemikalien, Schwermetallen und organischen Verbindungen verseucht, wird in Staubecken gesammelt und müsste eigentlich wie Giftmüll entsorgt werden. Stattdessen versickert ein großer Teil durch die undichten Becken einfach in den Boden, wird in Flüsse oder ins Meer eingeleitet, illegal auf Feldern entsorgt oder durch Wasserspritzanlagen in die Luft gesprüht, damit es schneller verdunstet. Angesichts der Giftigkeit der Chemikalien klingt diese Methode absolut haarsträubend, doch in den USA ist sie gängige Praxis. Die Toxine gelangen so direkt oder über Umwege wieder in den Wasserkreislauf, gehen im Regen wieder auf die Erde nieder, oder der Sprühnebel und verdampfte und flüchtige Verbindungen werden direkt von den Menschen in der Umgebung eingeatmet.

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Frackinggebiete in den USA

Doch die Giftstoffe gelangen nicht nur in oberirdisch in die Umwelt, auch das Grundwasser ist in der Nähe von Bohrstätten oft betroffen. Durch Risse im Röhrensystem der Bohrung oder im umgebenden Zementmantel können die Fracfluide beim Einpressen der Flüssigkeit oder beim Rückfluss an die Oberfläche in die umliegenden Gesteinsschichten gelangen und so auch Grundwasserleiter verschmutzen. Auch Leckagen im Röhrensystem der Bohrungen sorgen häufig dafür, dass Fracfluide und Lagerstättenwasser als hochgiftiges Gemisch in grundwasserführende Gesteinsschichten gelangen.

Das Trinkwasser der Fracking-Anwohner in den USA ist deshalb durch organische und inorganische Chemikalien oft so stark belastet, dass die Menschen es nicht einmal mehr nutzen können, um Wäsche zu waschen. Das Wasser gleicht dann eher Klärschlamm als Trinkwasser, und den Menschen bleibt nichts anderes übrig, als ihre verseuchten Trinkwasserbrunnen zu schließen und fortan Wasser zu kaufen. Filteranlagen versagen bei dieser Form von Abwasser, da Verbindungen wie beispielsweise Glykolether enthalten sind, die nicht herausgefiltert werden können.

Gemeinsam mit den Chemikalien kann auch Gas ins Grundwasser gelangen. Was in YouTube-Videos noch lustig aussieht, ist für die betroffenen Menschen bitterer Ernst: In vielen Häusern, die neben Fracking-Anlagen stehen, kann man das Leitungswasser anzünden! Dreht man den Wasserhahn auf, tritt mit dem verseuchten Wasser auch Gas aus, und ein kleines Streichholz genügt, um das ganze Waschbecken anzuzünden. Abgesehen davon, dass dieses Wasser nicht mehr getrunken werden kann, besteht so im Haus auch andauernde Explosionsgefahr.

All dies müsste doch, selbst im grenzenlosen Amerika, Grund genug sein, Fracking zu verbieten, so könnte man meinen. Doch weit gefehlt, die Lobbyisten der Öl- und Gasindustrie leisten ganze Arbeit. Das staatliche Umweltamt bleibt untätig, und die zahllosen Beschwerden der Bürger verlaufen im Nichts. Zwar gibt es in Amerika zahlreiche Gesetze, die vor Luft- und Wasserverschmutzung schützen sollen, doch all diese Gesetze schließen die Öl- und Gasindustrie aus. Unter der Regierung von George W. Bush wurden selbst wissenschaftliche Untersuchungen zur Gefährlichkeit des Fracking gestoppt. Der „Frac Act“ (Fracturing Responsibility and Awareness of Chemicals Act), der von drei Kongressabgeordneten erstmals 2009 vorgestellt wurde und die Offenlegung der verwendeten Chemikalien im Fracking fordert, wurde jahrelang wieder und wieder im Senat und Repräsentantenhaus eingereicht, doch eine Anerkennung erfolgte nie. Mittlerweile hat der Gesetzesentwurf kaum noch Chancen auf eine Durchsetzung. Zu hoffen bleibt nur, dass sich der Erdgasboom in den USA durch die stark gesunkenen Gaspreise bald selbst in Luft auflöst. Was er hinterlässt, ist eine zerstörte Umwelt und Anwohner, die gesundheitlich schwer geschädigt sind …

Fracking in Deutschland?

Nun denkt man natürlich, dass es derartige Verhältnisse in Deutschland nie geben wird, und Gasbohrungen hierzulande viel besser kontrolliert werden. Zumindest will ExxonMobile uns das in einem niedlichen, kleinen Werbespot, der seit einigen Jahren über unsere Bildschirme flimmert, glauben machen. Doch ist Fracking in Deutschland wirklich sicherer als in den USA?

Die erste Fracking-Bohrung erfolgte in Deutschland bereits im Jahr 1961; seitdem wurden mehr als dreihundert weitere Bohrungen durchgeführt. Die meistens Fracs erfolgten in Niedersachsen, wo sich die Methode neben der konventionellen Gasförderung schleichend und weitgehend ohne Kenntnis der Bevölkerung etablieren konnte. Viele der Bohrungen sind Fehlbohrungen, die aufwändig wieder verfüllt werden müssen. Teilweise handelt es sich auch um Versenkbohrungen, in die giftiges Lagerstättenwasser anderer Bohrungen verpresst wird – eine besonders bequeme Art für die Gasindustrie, ihre Abfälle loszuwerden. Zwar soll das Wasser zuvor aufbereitet und gefiltert werden, doch selbst wenn dies wirklich geschieht, erhält man am Ende kein Wasser, das man gefahrlos in die Umwelt einbringen kann.

Allein in Deutschland entstehen jährlich elf Milliarden Liter Lagerstättenwasser und produziertes Wasser, die entsorgt werden müssen – elf Milliarden Liter Giftbrühe also, die völlig legal in deutsche Böden gepresst werden. Allein diese Methode zeigt schon, dass Fracking in Deutschland keineswegs sicher sein kann, denn auch wenn die Abwässer in große Tiefen gepresst wurden, kann letztlich niemand über Jahre hinweg garantieren, dass sie nie wieder in grundwasserführende Schichten gelangen.

Das selbe gilt für das Fracfluid, das nach den Bohrungen im Boden verbleibt – immerhin knapp die Hälfte der eingesetzten Flüssigkeiten. Grundsätzlich ist die Entsorgung von Fracking-Abfällen und Rückständen ein Problem, denn abgesehen von der Verpressung in alte Bohrlöcher gibt es keinen wirklichen Entsorgungsplan. Zwar dürfen in Deutschland im Gegensatz zu den USA die Abwässer nicht in offenen Becken gelagert werden, doch treten auch aus Pipelines und Tanks immer wieder große Mengen der giftigen Flüssigkeiten aus. Die Kontrolle der Entsorgung wird der „Eigenüberwachung der Gasindustrie“ überlassen, das heißt, die Konzerne kontrollieren sich selbst. Muss man angesichts dieser Zustände wirklich noch die Frage stellen, ob deutsches Fracking sicherer ist als Fracking in den USA?!

Der Umstand, dass in der Vergangenheit außerdem viele Gasförderungen und Probebohrungen in Wasserschutzgebieten genehmigt wurden, macht zusätzlich deutlich, dass die Gefahr, die von Fracking ausgeht, von Politikern und Behörden unterschätzt wurde und noch immer unterschätzt wird.
Seit Beginn des Frackings in Deutschland wurden zahlreiche Schadensfälle bekannt, die von kleineren Erdbeben über Leckagen bis hin zu Bohrturmexplosionen reichen. An verschiedenen Stellen trat bereits Lagerstättenwasser aus oder es kam zu einer Kontamination mit Schwermetallen (z.B. Quecksilber) und Kohlenwasserstoffen. Auch Anwohner wurden geschädigt, so zum Beispiel im Frühjahr 2014 im Landkreis Rotenburg/Wümme, wo überschüssiges Gas abgefackelt und dabei eine Dampfwolke aus Salzsäure produziert wurde, die über den angrenzenden Ort hinwegzog. Dank der Bürgerinitiativen, die sich in den betroffenen Gemeinden gebildet haben, werden solche Unfälle nun zunehmend öffentlich bekannt.

Zusätzlich zu aktuellen Schadensfällen gibt es sogenannte Altschäden, das heißt, ehemalige Gasförderanlagen oder länger zurückliegende Unfallschäden, die noch saniert werden müssen. Eine ehemalige Anlage, die zu Zeiten der DDR betrieben wurde und nun rückgebaut werden muss, liegt beispielsweise in der westlichen Altmark (Sachsen-Anhalt). Dort müssen Umweltschäden durch ausgetretene Kohlenwasserstoffe und Quecksilber ebenso saniert werden wie Bohrschlammgruben, Bohrlöcher und Sondenplätze. Die Kosten dafür trägt nicht der Energiekonzern, sondern – wie so oft – der deutsche Steuerzahler.

Fracking in Deutschland ist unwirtschaftlich

Allein der Rückbau solcher Altlasten kostet den deutschen Staat mehrere Millionen Euro, doch das ist nicht der einzige Grund, warum sich Fracking in Deutschland nicht wirklich lohnt. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) stellte dazu folgendes fest: „In der Europäischen Union dagegen würde sich Fracking, also die Förderung von im Gestein sitzenden Gasvorkommen durch das Einpressen von Wasser und Chemikalien, bei den aktuellen Gaspreisen und Preisen für Strom überhaupt nicht lohnen. Erst wenn die Gaspreise deutlich stiegen, wäre eine Förderung in der EU wirtschaftlich.“

Zwar kann eine Quelle bis zu achtzehn Mal gefrackt werden, doch verzeichnet man pro Jahr auch großteils einen Rückgang der Förderrate um bis zu siebzig Prozent. Die Kosten einer Bohrung betragen drei bis zehn Millionen Dollar; somit liegen die Förderkosten deutlich über dem Verkaufspreis des Gases. Wie in der Studie der ZEW ausgeführt, müsste der Gaspreis also stark ansteigen, damit sich Fracking in Deutschland überhaupt lohnt.

Trotz aller Negativbeispiele und Unsicherheiten in Bezug auf Fracking gibt es in Deutschland noch immer Politiker, die an der Methode festhalten. Angeheizt wurde die Debatte vor allem durch einige Gesetzesentwürfe, die von der schwarz-gelben Bundesregierung Anfang 2013 vorgelegt wurden. Die Sicherheitsauflagen, die in den Entwürfen vorgesehen waren, fielen darin viel zu gering aus, und die Erteilung von Genehmigungen für Bohrvorhaben sollte erleichtert werden.

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Durch wissenschaftliche Probebohrungen in Deutschland sollen die Gefahren des Fracking analysieren

Gegen den Entwurf formierte sich Widerstand, doch leider führte dies letztlich nicht zu einem Verbot von Fracking in Deutschland. Im Juli dieses Jahres gaben Wirtschafts- und Umweltminister ein Eckpunktepapier zu einem zukünftigen Fracking-Gesetz heraus. Darin soll Fracking grundsätzlich erlaubt sein, allerdings unter Auflagen. Hier einige Eckpunkte:

Die Gasförderung aus Schiefergestein soll oberhalb von dreitausend Metern verboten werden. Praktisch betrifft dies aber kaum eine unkonventionelle Gaslagerstätte, da diese fast ausschließlich tiefer als dreitausend Meter liegen.

Wissenschaftliche Probebohrungen sollen erfolgen, um bis zum Jahr 2021 weitere Erkenntnisse zur Gefährlichkeit des Fracking zu liefern.
Fracking in Sandstein soll weiterhin erlaubt sein, wenn dabei ungefährlichere Chemikalien eingesetzt werden als zuvor. Allerdings benötigt man für Fracking in Sandstein ohnehin mehr und stärkere Chemikalien als bei der Gasförderung aus Schiefer.

In betroffenen Gebieten müssen vor der Gasförderung Wasseranalysen gemacht werden, um Verunreinigung ohne Zweifel feststellen zu können, und Fracking in Wasserschutzgebieten soll verboten werden. Insgesamt sollen strengere Umweltverträglichkeitsprüfungen angeordnet werden.
Letztlich wird Fracking durch die neuen Auflagen zwar erschwert, doch betrachtet man die Risiken, die mit der unkonventionellen Gasförderung einhergehen, gehen diese Forderungen längst nicht weit genug. Bis Reaktionsschluss hatte der Bundesrat noch nicht über einen entsprechenden Gesetzesentwurf zum Fracking entschieden.

Fazit

Fracking wird von den Energiekonzernen als lohnende Methode angepriesen, um die Energieversorgung Deutschlands für die Übergangszeit bis zur Nutzung erneuerbarer Energien zu sichern, doch aktuelle Studien zeigen, dass Fracking bei den derzeitigen Gaspreisen in Deutschland niemals wirtschaftlich sein kann. Das Institut für Weltwirtschaft in Kiel legt außerdem dar, dass zukünftig eventuell zu erwartende Lücken in der Energieversorgung mit dem aus Fracking gewonnen Gas nicht geschlossen werden könnten.

Werbeslogans wie „Saubere Energie durch Fracking“ werden bei Betrachtung der Umweltrisiken und der bereits entstandenen Schäden ebenfalls ad absurdum geführt. Vom Aufbau der Bohranlagen bis zur Entsorgung der Rückstände birgt Fracking in jedem Arbeitsschritt enorme Gefahren für Mensch und Natur, angefangen von Erdbeben über Vergiftungen von Grund- und Trinkwasser bis hin zur Verseuchung ganzer Landstriche durch den Austritt giftiger Flüssigkeiten und Gase. Förder- und Entsorgungsmethoden der Gaskonzerne werden schlecht bis gar nicht kontrolliert, doch selbst wenn ein Höchstmaß an Überwachung stattfinden würde, gäbe es noch immer Bereiche beim Fracking, die schlicht nicht kontrollierbar sind. Das Ausmaß der Risse in den Gesteinsschichten, die beim Fracking entstehen, kann beispielsweise nie sicher abgeschätzt werden, da seismische Voruntersuchungen nicht alle Gegebenheiten im Gestein erfassen können. So können die Risse teilweise weit über den geplanten Bereich hinausgehen und Austrittsmöglichkeiten für Gase und Chemikalien weit entfernt vom Ort der Bohrung schaffen.

Ein weiteres Beispiel für die Unkontrollierbarkeit der Fracking-Methode liegt beim Einsatz der Chemikalien im Fracfluid. Selbst wenn die Energiekonzerne alle verwendeten Chemikalien bekannt geben und teilweise durch neuartige Stoffe ersetzen, kann deren Toxizität schlecht abgeschätzt werden, da sie in Kombination und unter hohem Druck und Temperaturen anders reagieren als ihre Reinsubstanzen. Die tatsächliche Gefährdung kann also im Vorfeld nicht seriös abgeschätzt werden und zeigt sich unter Umständen erst, wenn Böden und Grundwasser bereits kontaminiert sind. Selbst der Verzicht auf den Einsatz von Chemikalien löst das Umweltproblem nicht, denn es bleibt noch immer das giftige Lagerstättenwasser, welches zwangsläufig im Laufe der Gasförderung an die Oberfläche dringt.

Ein weiteres Argument von Befürwortern des Fracking, die bezeichnenderweise fast nur in der Energieindustrie zu finden sind, ist die Klimafreundlichkeit der Erdgasnutzung. Betrachtet man allerdings nicht nur die Emissionen bei der Verbrennung von Erdgas, sondern die Gesamtheit der Emissionen bei der unkonventionellen Erdgasförderung, verschlechtert sich die Klimabilanz rapide. Der massenhafte Einsatz von Dieseltreibstoff (bis zu dreitausend Liter pro Tag) bei der Förderung trägt ebenso zu einer schlechten Bilanz bei wie der Austritt des klimaschädlichen Methangases durch Lecks und bei der Gasaufbereitung. Letztlich zeigt sich, dass die Klimabilanz moderner Braunkohlekraftwerke sogar besser ausfällt als die Bilanz von Gaskraftwerken, deren Gas durch Fracking gewonnen wurde.

All diese Beispiele – und sie beschreiben nur einen kleinen Teil der Risiken und Schäden durch Fracking – zeigen letztlich, dass man auf diese Art der Energiegewinnung völlig verzichten sollte und kann. Anstatt Milliarden Gelder in die unkonventionelle Gasförderung zu stecken und damit Menschen, Tiere und Natur zu gefährden, wäre endlich ein Ausbau der erneuerbaren Energien angebracht!


Ein Gastbeitrag von Julia Vasbender, freundlich zur Verfügung gestellt von Miriam Wolf von Europäischer Tier- und Naturschutz e. V.

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Manfred Strecker ist Politikwissenschaftler und Mitglied bei Greenpeace. Manfred untersucht seit seinem Jugendalter Möglichkeiten, die Umwelt nachhaltig durch Technologie zu verbessern und schreibt darüber auf Energieinitiative.org .
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