Fliegende Windkraftwerke – Stromerzeugung in luftigen Höhen

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Im entlegenen Alaska kostet eine Kilowattstunde Strom laut New York Times fast einen Dollar. Das ist 10 Mal mehr als der nationale Durchschnitt. Deshalb gibt es nun die fliegende Windturbine, die in einen Helium-Ballon gefasst ist. Die „Bouyant Air Turbine“ (auch BAT genannt) schwebt ungefähr 300 Meter in der Luft und bringt und günstigeren, sauberen und vor allem mobilen Strom. Ein einzelnes Luftobjekt, das aussieht wie eine Mischung zwischen Drachen, Luftschiff und Windkraftwerk, wird ein Dutzend Haushalte mit Strom beliefern können.

Die BAT ist eine Erfindung von Altaeros, eine vom MIT gegründete Firma. Wenn alles nach Plan verläuft, wird die BAT als der am höchsten fliegende Stromerzeuger in die Geschichtsbücher eingehen.

Die Idee, mit schwebenden Windkraftwerken die stärkere Windkraft in der Höhe zu ernten, ist nicht neu: „Es ist wohl bekannt, dass die Windgeschwindigkeit in der Höhe schneller ist und die Leistungsdichte sich pro Kubikfaktor Windgeschwindigkeit erhöht“, teilte der Mitgründer von Altaeros, Adam Rein, in einer E-Mail mit. „Mit der Verdopplung der Windgeschwindigkeit verachtfacht sich die Leistungsdichte. Andere Hersteller von Windkraftwerken gehen aus diesem Grund auch immer höher, doch kann die Höhe der BAT nicht erreicht werden“.

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Makani Power, die letztes Jahr von Google übernommen wurden, haben die meiste Arbeit für die Popularisierung von fliegenden Windkraftwerken geleistet. Altaeros versucht aber die Grenzen, wie und wo hochfliegende Windkraftwerke jetzt eingesetzt werden können, zu verschieben.

„Für unsere Kunden ist der größte Nutzen, der sofort in Kraft tritt, die Möglichkeit sauberen und günstigen Ökostrom zu produzieren anstatt auf teure fossile Brennstoffe wie Benzin oder Diesel zurückzugreifen“, sagte Rein. Das Unternehmen plant die fliegenden Turbinen in abgelegene oder schwer erreichbare Gebiete zu liefern, die ansonsten von Treibstoffgeneratoren abhängig sind oder andere Lösungen haben, die viel kosten. In solchen Gebieten wäre die BAT  die günstigste und einfachste Stromquelle.

Die BAT von Altaeros schwebt dank einer Helium-gefüllten Hülle, die einem Zackenbarsch mit offenem Mund ähnelt. Da der Wind in größeren Höhen konstanter und stärker weht, kann die BAT problemlos Strom generieren, der durch extrem Stabile Halteseile auf die Erde weitergeleitet wird. Die Halteseile sorgen außerdem dafür, dass die BAT gleichmäßig schwebt.

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„Ein Regler, der die Seilwinde am Boden steuert, ändert die Haltung und Höhe der BAT automatisch. Dies vergrößert die Stromausbeute, Flugstabilität und die Grenzlast am Windkraftwerk selbst.“, behauptet Rein. „Die BAT ist in der Lage völlig selbstständig zu arbeiten und benötigt kein Team am Boden, das sie landet, steuert oder fliegt.“. Laut Rein kann das Windkraftwerk zwei bis drei Mal mehr Strom produzieren als ein klassiches Windkraftwerk, wobei die Installation wesentlich günstiger ist.

Das Unternehmen rechnet damit Strom für 18 Cent pro Kilowattstunde anbieten zu können. Der Preis ist dabei deutlich höher als der Durchschnittspreis für Strom, der bei 11,6 Cent liegt. Er ist aber auf jeden Fall günstiger als beispielsweise auf Hawaii (dort kostet die Kilowattstunde stolze 37 Cent) oder in Alaska. Der Preis kommt dem Strompreis in Kalifornien auch ziemlich nahe, wo pro Kilowattstunde 16 Cent gezahlt werden müssen.

Rein hat angedeutet, dass die BAT auch logistische Kopfschmerzen verschwindinden lassen wird, die von komplizierten Treibstofftransporten oder von Transporten von sperrigem Material für den Bau von klassischen Windkraftwerken verursacht werden. Er kann sich auch gut vorstellen, dass die BAT bei Industriearbeiten wie im Bergbau oder bei der Rohstoffgewinnung praktisch einsetzbar sein wird. Außerdem kann die BAT auch als gigantischer Hotspot agieren. „Mit der BAT besteht auch die Möglichkeit zusätzliche Nutzlast für Internet, Telefonie oder Bildgeräte zu befördern, was unseren Kunden einen weiterern Einnahmekanal bietet.“.

Hindernisse gibt es sicherlich noch. „Das größte Hindernis bei der Ausführung stellt die Nachfrage nach einem Produkt dar, das langfristig bei allen Wetterverhältnissen zuverlässig arbeitet.“, sagte Rein. Er betonte: „Die FAA (Federal Aviation Administration) wird bei der Genehmigung unseres Produkts eine große Rolle spielen“. Ein Genehmigungsentwurf liegt bereits vor, mit dem die BAT fliegen darf. Damit eine Vielzahl von fliegenden, bzw. schwebenden Windkraftwerken  in entlegenen Gebieten operieren kann, muss sicherlich erst einmal ein kohäsiver Regulationskatalog erstellt werden.

In den nächsten Jahren wirst du bestimmt noch weitere Windturbinen im Himmel entdecken können. Einige Wissenschaftler haben darüber diskutiert, dass der globale Strombedarf gedeckt werden könnte, wenn wir Strom aus dem ausgesprochen starken Jetstream (oder Strahlstrom) ernten würden. Seitdem wurden die Angaben mehrmals revidiert, aber alle sind sich einig: in der Luft befindet sich eine Menge Strom, den wir nutzen können. Altaeros wird wohl als erster diesen Strom zu uns auf die Erde bringen.

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Toni Pavicic
Toni leitet das Portal Energieinitiative.org, setzt sich persönlich für regenerative Energien, den Umweltschutz und die Umwelt ein. Mit dem Portal Energieinitiative.org verfolgt er das Ziel, die Besucher zu informieren und das Umweltbewusstsein derselben zu stärken, um einen Dominoeffekt zu erzeugen.
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