Energieeffiziente Digitalisierung der eigenen vier Wände

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Die Digitalisierung vernetzt nicht nur Menschen, sondern auch Geräte; längst haben sich Begriffe wie »Smart Home« und das »Internet der Dinge« in unseren Köpfen etabliert. Digitale Verknüpfungen lassen sich hervorragend dazu nutzen, um Haushalte durch bessere Kontrolle und zielgerichtete Steuerung energieeffizienter zu gestalten. Dabei spielt der Transfer von Daten eine wichtige Rolle.

Natürlich steht bei der Einrichtung eines Smart Homes, manchmal auch eHome genannt, die verbesserte Lebens- und Wohnqualität im Mittelpunkt des Interesses, doch ein nicht zu vernachlässigendes »Nebenprodukt« ist die Energieoptimierung. Die Haushaltsgeräte erhalten nicht nur die nützliche Funktion, sich untereinander abzustimmen, sie werden auch programmierbar und fernsteuerbar. Mit an Bord sind sämtliche technischen Anlagen: vom Einbaustrahler bis zur Waschmaschine, von der Jalousie bis zur Zentralheizung und vom Kühlschrank bis zur Unterhaltungselektronik.

Insbesondere das Entertainment punktet mit zentralen Datenspeichern, die es erlauben, Inhalte auf sämtlichen vernetzten Mediengeräten gleichzeitig zu nutzen, sei es daheim oder unterwegs. Hinzu kommt selbstverständlich die Verbindung zum Internet, um Inhalte als Stream von Anbietern wie Netflix zu beziehen. Auch komplette Videospiele sind als Stream beziehbar, hierbei läuft das Spiel selbst auf energieeffizienten Hochleistungsservern ab; der Spieler sieht nur das übertragene Bild und sendet seine Bewegungen zurück. Dieser Bezug ist aber nicht nur einseitig, denn immer mehr Spieler erfreuen sich daran, die Videogames auf der Plattform Twitch zu streamen, von wo aus zum Teil Zehntausende den Zockern zuschauen. Hierbei zeigen die Profis ihre ganze Bandbreite: von Ego-Shootern über Strategiespiele bis hin zu Kartenspielklassikern. Besonders das Pokerspiel erfreut sich hier einer digitalen Renaissance, so wurde erst vor Kurzem der erfolgreiche Start eines weiteren Twitch-Kanals mit echten Vollblutprofis gefeiert. Die Faszination am Kartenspielklassiker ist vor allem dann gegeben, wenn die Zuschauer live den Spielern über die Schulter schauen können. Da nunmehr viele Inhalte über das Internet bezogen werden können, kommen Spielkonsolen und Desktop-PCs weniger zum Einsatz, was den Energieverbrauch senkt. Ebenfalls ressourcenschonend ist das Nutzen von Cloud-Servern für die Rechenleistung, für den Konsumenten ändert sich dadurch nichts im Unterhaltungslevel.

Eine wichtige Funktion der Datenvernetzung liegt im Smart Metering, dem Fernabruf der Energienutzungsdaten zum Zwecke der Regulierung und Optimierung. Intelligente Stromzähler empfangen die benötigten Daten von den einzelnen stromverbrauchenden Geräten im Haus, sie erhalten aber auch Informationen von außerhalb, zum Beispiel, wenn sich der Tarif des Energielieferanten ändert. Smart Meter gibt es seit den 90ern Jahren, bislang wurden sie vorwiegend in größeren Betrieben eingebaut, die ein hohes Einsparpotenzial ausschöpfen können. Seit dem Jahr 2010 profitieren auch private Haushalte vom Smart Metering, die Verbrauchmessgeräte liefern ihre Daten nicht nur zur besseren Ressourcensteuerung an die Energieunternehmen, sondern auch direkt an den Kunden. Anschließend bleibt es jedem Verbraucher selbst überlassen, wie er die Protokolle auswertet und für sich nutzt, zur bestmöglichen, individuellen Energieoptimierung. Neben den intelligenten Stromzählern befinden sich längst auch smarte Wasser- Gas- und Fernwärmemessanlagen auf dem Markt, die dazu beitragen sollen, dass ein umfassendes Ressourcennutzungskonzept für jeden Betrieb und jeden Haushalt entstehen kann. Vielleicht bieten die von diesen Geräten gelieferten Daten eines Tages die Grundlage für flexible Verbrauchstarife, die sich je nach Bedarf zeitnah per Knopfdruck wechseln lassen.

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Umfassende Nutzungsmöglichkeiten gehören zum wichtigsten Ziel der Produktanbieter im Smart-Home-Bereich, auch die Einbruchsicherheit soll sich deutlich verbessern. Ferngesteuerte Jalousien, die per Smartphone programmiert werden und bei Abwesenheit der Hausbewohner zu unterschiedlichen Zeiten automatisch hoch- und runterfahren, schrecken potenzielle Eindringlinge ab. Mit Sonnensensoren versehen, regeln sie aber auch die Wärmezufuhr von außen, blenden die Sonne bei zu viel Hitze ganz von selbst aus, fangen sie aber im Winter zielgerichtet ein. Auch andere Geräte reihen sich in diesen gekoppelten Prozess mit ein, beispielsweise schaltet sich der Fernseher in den abendlichen Stunden zur Anwesenheitssimulierung automatisch ein – und die Heizung lässt sich schon im Voraus wieder hochregulieren, wenn die Bewohner aus dem Urlaub nach Hause zurückkehren.

Die Haushaltsgeräte-Automatisierung ermöglicht es beispielsweise, dass der frisch gebrühte Kaffee bereits beim ersten Gang in die Küche bereitsteht und die Brötchen im passenden Moment aufgebacken sind. Das dient zwar nicht der Energieeinsparung, erhöht aber erheblich den Komfort! Haushalte mit eigener PV-Anlage haben die Möglichkeit, die Leistungsdaten ihres grünen Energieträgers in Echtzeit abzurufen und ihre stromverbrauchenden Tätigkeiten danach auszurichten: Das große Staubsaugen beginnt so ein gutes Stück vor Sonnenuntergang und die Waschmaschine wird erst nach vollendeter Morgendämmerung eingeschaltet, um keinen teuren Netzstrom beziehen zu müssen. Entsprechende Diagramme blenden den Verbrauch über die Stromerzeugungstabelle und gestatten so einen ganz genauen Datenabgleich. Auf diese Weise lässt sich ganz konkret evaluieren, ob an einem schönen Sommertag Spülmaschine und Herd gleichzeitig laufen können, ohne die Autarkiegrenze zu überschreiten. Bei geringerer PV-Leistung an bedeckten Tagen lohnt sich eher die In-Reihe-Schaltung der Haushaltsgeräte, das bedeutet, den einen Stromverbraucher erst einzuschalten, wenn der andere seine Arbeit gerade erledigt hat.

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Die Smart-Home-Technik wird sich in jedem Fall in den nächsten Jahren weiterverbreiten und unseren Alltag immer mehr beeinflussen. Wie stark sich dies auf die allgemeinen Energieverbrauchswerte niederschlägt, kann allerdings noch nicht konkret vorausgesagt werden, nur eines lässt sich feststellen: Der Trend beim Stromverbrauch aus dem Netz geht deutlich nach unten, weil immer mehr Menschen sich mit den Themen Autarkie und effektive Energienutzung auseinandersetzen. Das Smart Home ist nur ein Rädchen im Getriebe dieser lohnenswerten Entwicklung.

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Manfred Strecker
Manfred Strecker ist Politikwissenschaftler und Mitglied bei Greenpeace. Manfred untersucht seit seinem Jugendalter Möglichkeiten, die Umwelt nachhaltig durch Technologie zu verbessern und schreibt darüber auf Energieinitiative.org .
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