Deutschlands CO2-Werte ernüchternd: Anteil der Erneuerbaren stagniert

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Laut der Auswertung der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB), die Ende 2016 veröffentlicht wurde, hat der Primärenergieverbrauch der Bundesrepublik leicht zugenommen. Der seit 2006 anhaltende Trend eines seither abnehmenden Verbrauchs, konnte sich dennoch fortsetzen. Das Problem: Die CO2-Emissionen legten zu. Besonders ernüchternd ist die Tatsache, dass nach Angaben der AGEB lediglich 12,5 Prozent des Energiebedarfs der Deutschen aus erneuerbaren Energien stammt. Als Folge der Ausbremsung der Erneuerbaren legen die Erdgasimporte zu. Anders als politisch angekündigt, wird die Bundesrepublik von Energielieferungen aus Russland abhängiger.

Mit über 458 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten stieg der Verbrauch um 1,6 Prozent, so die AGEB Ergebnisse der Auswertung vom Dezember 2016. Im Rahmen des seit 2006 anhaltenden Trends, wonach der Primärenergieverbrauch stetig abnimmt, kam es zu den üblichen Schwankungen. Der bisherige Tiefpunkt wurde 2014 erreicht. Die Auswertung brachte jedoch ein negatives Ergebnis zu den Erneuerbaren Energien hervor: Nur 12,5 Prozent des Verbrauchs werden mit Erneuerbaren gestillt. Der Erdgasbedarf schnellte mit knapp elf Prozent stattdessen deutlich in die Höhe, was auch das Fraunhofer-Institut bestätigt. „Beim Mineralöl nahm der Verbrauch nochmals um 1,8 Prozent zu, während er bei Braun- und Steinkohle um 2,6 und 4,0 Prozent abnahm“, fügt das Magazin für Erneuerbare Energien online hinzu. Hans-Joachim Ziesing, Geschäftsführer der AGEB bezeichnete das Jahr 2016 angesichts der Zunahme der Kohlendioxid-Ausstöße als klimaschutzpolitisch verloren. Unter anderem sei im Bereich Verkehr seit Jahren eine Stagnation bei den Erneuerbaren zu beobachten.

Deutschlands Energieabhängigkeit steigt

70 Prozent beträgt die Abhängigkeit der Deutschen von Energieimporten derzeit insgesamt. Einen Großteil der Energie liefert Russland. Und das obwohl deutsche Energieminister die russischen Energieimporte seit 2014 verringern wollen, nachdem es zur völkerrechtlichen Okkupation der Halbinsel Krim durch Russland kam. Eingehalten wurden die Versprechen nicht. Stattdessen exportierte Russland 2016 im Vergleich zum Vorjahr sogar rund zehn Milliarden Kubikmeter Erdgas mehr in die Bundesrepublik. Insgesamt kamen circa 50 Milliarden Kubikmeter aus russischen Quellen.

Hans-Josef Fell gilt als Vater des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und engagierte sich als Politiker und ehemaliger Abgeordneter im Bundestag insbesondere für den Umstieg auf erneuerbare Energien. Gegenüber dem Klima- und Energiewende-Magazin Klimaretter macht Fell auf das positive Beispiel Ukraine aufmerksam. Ein Land, welches sich das ambitionierte Ziel der Energieunabhängigkeit gesetzt hat und diese mit Hilfe von Ökoenergie erreichen will. Bislang befindet sich die Ukraine auf Erfolgskurs. Nicht nur der Erdgasverbrauch konnte „seit 2013 um etwa 30 Prozent gesenkt werden“, sondern auch die russischen Erdgaslieferungen seit 2014 „von 14,5 Milliarden auf sechs Milliarden Kubikmeter“, so Fell. Geschafft hat das Land diese Entwicklung durch Einspeisevergütungen für Erneuerbare. Das Ergebnis: Die Motivation unter Landwirten, privaten Haushalten, Unternehmen und Kommunen entsprechend zu investieren, steigt rapide. Dank der gesetzlichen Grundlage konnte die Abhängigkeit bereits merkbar abgebaut werden.

Vorbilder aus Deutschland

Auch Deutschland müsste politisch mehr Anreize liefern, um die Erneuerbaren voranzubringen. Realisierbar wäre ein Umstieg gewiss, denn die Bereitschaft seitens der Deutschen auf ökologisch sinnvollere Alternativen wie Solarthermie und Windenergie umzusteigen, ist vielerorts vorhanden. Dies ist auch bei beratenden Organisationen spürbar. Ein Beispiel auf kommunaler Ebene: Als Tochtergesellschaft der gemeinnützigen Umweltorganisation Green City e.V. verfolgt die kommunale Energieberatung Green City Energy AG  das Ziel die Energieversorgung vollständig auf erneuerbare Energien umzustellen. Anhand von Klimaschutz- und Energiekonzepten werden Energienutzungspläne erarbeitet, Bürgerbeteiligungsprozesse durchgeführt oder Verkehrskonzepte für umweltfreundliche Mobilität erstellt. Das Unternehmen berät Kommunen und Landkreise dabei ihre CO2-Emissionen zu reduzieren und einen geeigneten Maßnahmenkatalog zusammenzustellen. Viele derartiger Beratungsstellen erfreuen sich in den vergangenen Jahren zunehmender Nachfrage, weil nachhaltig orientierte Kommunen, Betriebe und Privatpersonen ihren individuellen Energiebedarf mit entsprechenden Quellen decken möchten.

Dass ein Umstieg möglich ist, bewiesen kürzlich auch zwei Ortsgemeinden in Rheinland-Pfalz. Die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) zeichnete Külz und Neuerkirch für ihr interkommunales Wärmeprojekt als Energie-Kommunen des Monats aus. Mit der größten Solarthermie-Anlage des Bundeslandes gelang es Bioenergie mit Solarthermie zu kombinieren und Wärme erfolgreich zu erzeugen. Der stellvertretende Geschäftsführer der AEE Nils Boenigk begründet die Auszeichnung: „Das kommunale Wärmekonzept ist vorbildlich, weil die Kombination zweier regenerativer Wärmetechnologien zwei Ortschaften versorgen und es so gelingt, pro Jahr über 300.000 Liter Heizöl einzusparen.“ Das Internetportal zur Sonnenenergie SolarServer bestätigt: „Der Impuls für die Umstellung der Wärmeversorgung auf erneuerbare Energien ging von den Bürgern aus.“

Rundfunkproduzent Deutsche Welle thematisiert in der Dokumentation „Erneuerbarer Strom“, was deutsche Pioniere für grüne Energie bereit erreicht haben:

Politische Anreize fehlen

Dennoch hat Deutschland viel vor sich. Nicht nur die Drosselung des Ausbaus der Erneuerbaren im Bereich Wärme und Elektrizität müsste aufgehoben werden. Auch die energetische Sanierung von Altbauten, die bislang nur schleppend voranschreitet sowie der Zuwachs der Biokraftstoffe im Verkehr müssten eine politische Förderung erfahren. Ansonsten dürfte sich die Energieabhängigkeit weiter verschärfen.

Quelle Grafik zum Primärenergieverbrauch Deutschland: Ageb
Bild: markusspiske – https://pixabay.com

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Manfred Strecker
Manfred Strecker ist Politikwissenschaftler und Mitglied bei Greenpeace. Manfred untersucht seit seinem Jugendalter Möglichkeiten, die Umwelt nachhaltig durch Technologie zu verbessern und schreibt darüber auf Energieinitiative.org .
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