Der Merit-Order-Effekt – so profitiert die Industrie

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Der Ausbau erneuerbarer Energien wird über die EEG-Umlage von der Industrie, dem Handwerk und dem Endverbraucher gefördert. Durch den Merit-Order-Effekt profitiert erstere netto vom Ausbau.

Stromkosten hängen stark von der Kundengruppe ab. Ein durchschnittlicher Haushalt hat im Jahre 2012 pro Kilowattstunde (kWh) 0,264 € bezahlt (Strom vom Grundversorger – kein Ökostrom). Mit 56 Prozent des Betrags werden Beschaffungskosten gezahlt:  Erzeugung, Betrieb und Transport des Stroms. Steuern und Abgaben bilden die restlichen 44 Prozent (aktuell (2014) Beschaffungskosten: 48 Prozent, Rest 52 Prozent)

Für Industrieunternehmen gilt ein wesentlich niedrigerer Strompreis als der für Haushalte. Der Strompreis für die Industrie setzt sich aus Höchstauslastung, dem Jahresverbrauch und den jährlichen Benutzungsstunden zusammen. 2012 bezahlten mittlere Industrieunternehmen so durchschnittlich 0,12 € / kWh, während der Durchschnittspreis für große Industrieunternehmen 0,06 € kWh betrug.

Industrieunternehmen haben zahlreiche steuerliche Vorteile, weshalb sie einen sehr günstigen Strompreis bekommen und nur eine reduzierte EEG-Umlage zahlen. Durch den Ausbau von erneuerbaren Energien profitieren sie deshalb netto stark. Bei diesem Effekt handelt es sich um den Merit-Order-Effekt.

 

Stromintensive Unternehmen profitieren von der reduzierten EEG-Umlage

2012 betrug die Umlage für nicht-privilegierte Verbraucher 0,0359 € pro kWh, 2011 noch 0,0353 € pro kWh.

Die Industrie hingegen bekommt viele Vergünstigungen. 2011 wurden so profitierten rund 600 stromintensive Unternehmen von der reduzierten EEG-Umlage (produzierendes Gewerbe). Durch diese besondere Ausgleichsregelung (BesAR) wurde ihnen die internationale Wettbewerbsfähigkeit erleichtert.

In Deutschland sind 4 Branchen, die 70 Prozent des Letztverbrauchs stellen, vollständig privilegiert und zahlen deshalb eine reduzierte EEG-Umlage: Nichteisenmetalle, Chemie, Eisen / Stahl und Papier.

Die Höhe der reduzierten EEG-Umlage hängt von zwei Faktoren ab: Stromintensität und Stromverbrauch. 2011 betrug sie für zwei Drittel des Industriestroms 0,05 kWh und für ein Drittel 0,04 kWh. So bezahlten die Unternehmen nur ein Hundertstel, bzw. ein Zehntel der EEG-Umlage.

Produziert die Industrie ihren eigenen Strom, fällt für denselben keine EEG-Umlage an. Lediglich die andere Hälfte ist von der reduzierten EEG-Umlage belastet (dies änderte sich seit dem 01. August 2014: Eigenversorger müssen die volle EEG-Umlage für ihren Strom zahlen. Kommt der Strom aus erneuerbaren Quellen, wird eine reduzierte EEG-Umlage fällig)

Statistisch lässt sich ein Trend der Eigenstromerzeugung feststellen. Da es immer mehr privilegierte Unternehmen gibt, wächst die Herausforderung, die EEG-Umlage verursachergerecht zu verteilen. Zahlen Industrieunternehmen die EEG-Umlage nicht, oder nur reduziert, müssen private Haushalte, Handel- und Gewerbe, öffentliche Einrichtungen und andere Stromkonsumenten dafür aufkommen. Nicht privilegierte Unternehmen müssen somit jährlich im Durchschnitt mit Mehrkosten von rund 60.000 € rechnen.

Wegen den Vergünstigungen für Industrieunternehmen stieg der Durchschnittspreis für Strom pro Haushalt 2012 um rund 22 €. 2009 wurden rund 507 Unternehmen mit 700 Millionen Euro subventioniert. Die Summe hat sich bis 2012 verdreifacht. Es wurden rund 730 Unternehmen mit 2,5 Milliarden Euro subventioniert, was für die restlichen Verbraucher eine enorme Belastung war.

Das EEG 2012 hat außerdem die Schwellenwerte für die Vergünstigungen abgesenkt, damit auch mittelgroße stromintensive Unternehmen diese in Anspruch nehmen können. Ab einem Stromverbrauch von mindestens einer Gigawattstunde können diese mit 14 Prozent „teilbegünstigt“ werden

EEG-2012

Die Dämpfung des Börsenstrompreises durch erneuerbare Energien

Der Börsenstrompreis sinkt durch den Merit-Order-Effekt. Dank der EEG-Umlage und ihrer Vorrangregelung steigt das Stromangebot maßgeblich, und es wird dazu benutzt, die Nachfrage auf dem Markt zu decken. Teurere Stromanbieter werden durch diesen Effekt allmählich vom Markt verdrängt.

2010 sank der Strompreis durch die Präsenz von erneuerbaren Energien um rund 0,05 € pro kWh. Rechnerisch bedeutete dies eine Entlastung von über 2,8 Milliarden Euro.

Dank der Absenkung des Strompreises an der Börse können stromintensive Unternehmen sogar noch mehr profitieren als von der reduzierten EEG-Umlage selbst. Arepo Consult hat in einer Studie gezeigt, dass Industrieunternehmen netto bereits von erneuerbaren Energien profitieren, wenn die Stromverbrauchsmenge 13,2 Gigawattstunden übersteigt.

strompreissenkender-effekt-erneuerbare-energie

Verbraucht ein teilbegünstigtes Unternehmen 25 GWh Strom, und hat es ihn zu mehr als 10 Prozent vom Spotmarkt beschafft, beträgt die Entlastung durch erneuerbare Energien rund 58.000 €. Ein vollbegünstigtes Unternehmen mit einem Verbrauch von 1.500 GWh zahlt rund 750.000 € EEG-Umlage, doch wird es durch den Merit-Order-Effekt mit rund 7,155 Millionen Euro entlastet.

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Toni Pavicic
Toni leitet das Portal Energieinitiative.org, setzt sich persönlich für regenerative Energien, den Umweltschutz und die Umwelt ein. Mit dem Portal Energieinitiative.org verfolgt er das Ziel, die Besucher zu informieren und das Umweltbewusstsein derselben zu stärken, um einen Dominoeffekt zu erzeugen.
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2 Kommentare

  1. Jens Ebersbach am

    Derzeit profitiert die Industrie, aber wenn ich das richtig erkannt habe, dann zahlen die Privatverbraucher doch noch mehr, oder? Gibt es Hoffnungen, dass wir Otto-Normal-Verbraucher irgendwann von dem Merit-Order-Effekt profitieren? Im Grunde genommen dürfte die Menge an erneuerbarem Strom, die im Umlauf ist, dadurch doch viel höher und der Strompreis, auch für uns, niedriger sein?

    • Manfred Strecker

      Hallo Jens!

      Danke für dein Kommentar!

      Also. Die Industrie profitiert vom Effekt, weil der Strom staatlich subventioniert wird. Den Staat kostet das natürlich Geld und da das Geld wieder reingeholt werden muss, zahlen die Verbraucher drauf.

      Die neue EEG-Reform 2014 sollte diesen Umstand ändern, tut sie jedoch nicht. Wir können nur Hoffen, dass die Menge der künftig generierten Energie, bzw. des Stroms den Börsenpreis dermaßen senkt, dass auch wir profitieren. Auf dem richtigen Weg befinden wir uns bereits. Es ist also nur eine Frage der Zeit.

      Falls du weitere Fragen hast, kannst du dich gerne an uns wenden.

      Lieben Gruß
      Manfred

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