Das Wind- und Solarzeitalter kommt schneller als du denkst

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Der Tag wird kommen: der alles ändernde Moment, wenn erneuerbare Energien aus Wind, aus Sonne, Geothermie und weiteren Quellen, die noch in Entwicklung sind, fossile Brennstoffe als weltweite Hauptenergiequelle ablösen. Die meisten Analytiker glauben dennoch, dass dieser Moment noch viele Jahrzehnte auf sich warten lassen wird und sich eine Änderung frühstens ab 2050 bemerken lassen wird. Fossile Brennstoffe seinen zu fest verwurzelt und erneuerbare Energien zu teuer oder unpraktisch, um bestehende Systeme aus dem Rennen zu werfen. Laut der International Energy Agency (IEA) wird der Anteil an erneuerbaren Energien weltweit – der 2012 gerade mal 14 % darstellte – zwischen heute und 2040 nur leicht auf 19 % steigen. Doch gibt es gute Gründe zu glauben, dass die Transformation viel schneller von Statten gehen wird, als ursprünglich angenommen, weil der Anteil an Erneuerbaren schneller steigt. Der Anstieg des Anteils an Solarenergie und Windenergie in den letzten Jahren war doppelt so schnell als die langfristige Analyse der IEA, was darauf hindeutet, dass die Analyse das Wachstum bei Weitem unterschätzte.

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Fossile Brennstoffe dürfen mit dunklen Zeiten rechnen

Die Experten-Analysen überraschen aber nicht, angesichts der Tatsache, dass frühere Energiewenden genauso lange dauerten und ihnen zum Vergleich nur diese Daten vorliegen. Jede neue Energieform hat zuerst ihre Nachteile, wie eine komplizierte Produktion, Verarbeitung und Distribution, da die vorherige Energieform vorherrschend ist. Damit sich eine neue Energieform etablieren kann, müssen diese Nachteile behoben werden und das dauert üblicherweise immer mehrere Jahrzehnte. „Energiewenden dauern lange“, sagte Vaclav Smil von der Manitoba Universität. Es dauerte mehr als 50 Jahre, damit Kohle Holz ersetzen konnte und weitere 50 Jahre, damit Öl Kohle ersetzen konnte. Die Energiewende von fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Energien wird aller Wahrscheinlichkeit nicht schneller gehen.

Unter normalen Umständen wären die Vorhersagen von Smil vielleicht zutreffend. Aber wir leben nicht in normalen Zeiten: die steigende Sorge über den Klimawandel führt zu immer strenger werdenden Kontrollen von CO2- und anderen Treibhausgasemissionen, während erneuerbare Energien immer innovativer und preisgünstiger werden, was deren Nutzung erhöht.

Es gibt, natürlich, viele Hindernisse, die eine effiziente Kontrolle der Emissionen aufhalten. Ein Beispiel dafür ist die amerikanische Kohleindustrie, die durch ihre Verbündeten im Kongress verhinderte, dass neue Regelungen der amerikanischen Umweltschutzorganisation (EPA) durchkamen. Trotzdem kann man den Prozess, der auf lokaler, regionaler und internationaler Ebene stattfindet und die Nutzung von erneuerbaren Energien begünstigt und Treibhausgase reduziert, nicht aufhalten. Die Europäische Union beispielsweise befindet sich auf dem Weg die Treibhausgasemissionen von 1990 bis zum Jahr 2020 um 20 % zu reduzieren und den Anteil erneuerbarer Energien um 20 % zu erhöhen. Die neuen Kraftstoff-Effizienz-Standards für Autos und leichte Fahrzeuge werden den Kraftstoffverbrauch in den nächsten 10 Jahren um 12 Milliarden Barrel senken. China, der Hauptkonsument fossiler Brennstoffe, hat versprochen bis 2030 die Emissionen nicht weiter zu erhöhen und bis dahin den Anteil erneuerbarer Energien im primären Energiesektor um 20 % zu steigern.

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Auch China setzt zunehmend auf erneuerbare Energien

Trotz dieser Entwicklung, werden wir den weltweiten Temperaturanstieg von mehr als zwei Grad nicht verhindern können. Die meisten Wissenschaftler sind sich einig, dass die Temperatur die Zwei-Grad-Steigung nicht übersteigen darf, da sonst Umweltkatastrophen drohen, wie etwa das Schmelzen der arktischen Eisdecken. Das bedeutet, dass wir mit immer größer werdenden Trockenperioden, Hitzewellen, Tornados und anderen Naturkatastrophen rechnen müssen. Das wird allerdings dazu führen, dass Regierungen den CO2-Ausstoß noch stärker begrenzen und die Nutzung von erneuerbaren Energien fördern werden.

Die steigende Leistunsgfähigkeit und der sinkende Preis für solche Systeme werden die Wende beschleunigen. Wegen der kontinuierlichen Effizienzsteigerung von Wind- und Solaranlagen, kombiniert mit den Einsparungen durch große Produktionskapazitäten, wird der Preis für Installationen weiterhin weltweit sinken. Ein Bericht der Deutschen Bank enthüllt, dass die Modulkosten bei führenden chinesischen Solarpanelherstellern in den vergangenen Jahren um 62 % gesunken sind. Im Jahr 2012 kostete das Watt 1,31 USD, während der Watt-Preis 2014 lediglich 0,50 USD betrug. Sinkende Preise werden auch für die kommenden Jahre erwartet. Mit solchen schnell sinkenden Preisen, konkurriert die Solarenergie der konventionellen Energie schon jetzt bereits in vielen Bereichen. Diese Entwicklung wird auch von ölreichen Dubai bestätigt. Die Strom– und Wasserbehörde vergab neulich einen 330 Millionen US Dollar schweren Auftrag an ein Unternehmen aus Saudi-Arabien zum Bau eines Solarkraftwerks mit einer Gesamtkapazität von 200 Megawattstunden und das obwohl Dubai fossile Brennstoffe so günstig nutzen kann, wie kaum ein anderes Land auf der Welt.

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Auch Dubai geht mit der Zeit und investiert in erneuerbare Energien Projekte

Energieanalytiker der Financial Times, Nick Butler kommentierte diese Wende so, dass sie „ein Fortschritt in einer revolutionären Entwicklung“ sei. Der Kollaps der Solarmodul-Preise hat Solartechnologie aus der Nische herausgebracht und aus ihr einen regionalen Hauptkonkurrenten gegenüber fossilen Brennstoffen geschaffen. Deshalb spielt Solarenergie auf dem Energiemarkt mittlerweile eine wichtige Rolle.

Die Wende von fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Energien wird nicht über Nacht passieren und sie wird noch einige Rückschläge erleben. Trotzdem werden erneuerbare Energien die dominanten fossilen Brennstoffe verdrängen und vor 2050 ihren Platz einnehmen. Große Fortschritte in diesem Bereich werden vor allem im Transportsektor erwartet. Die Kohle- und Erdölgiganten werden ihre Vormachtstellung sicherlich noch ein Jahrzehnt oder mehr halten können, doch ist deren Zeit begrenzt und es dauert nicht mehr lange, bis erneuerbare Energien sich etablieren und ihre Position festigen.

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Manfred Strecker ist Politikwissenschaftler und Mitglied bei Greenpeace. Manfred untersucht seit seinem Jugendalter Möglichkeiten, die Umwelt nachhaltig durch Technologie zu verbessern und schreibt darüber auf Energieinitiative.org .
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