China hat die Kohlenutzung reduziert

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China senkt seine Kohlenutzung. In den ersten vier Monaten 2015 hat China insgesamt 8 % weniger Kohle verbraucht als im Vorjahr, wie aus einem Bericht von Greenpeace/Energydesk China hervorgeht.

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Laut dem Bericht bedeutet das, dass Chinas CO2-Emissionen in den ersten vier Monaten 2015 um 5 % gesunken sind. Das ist eine große Menge und entspricht den CO2-Emissionen, die im selben Zeitraum in Großbritannien entstehen, wie im Bericht aufgeführt ist. Sollte der Trend anhalten, wird China als Land am Jahresende die größten Reduktionen in der Kohlenutzung und CO2-Emissionen verzeichnen, behaupten die Umweltaktivisten von Greenpeace.

Der stotternde Kohlekonsum der Volksrepublik, der im vergangenen Jahr begann, scheint eine große Delle in die globalen CO2-Emissionen geschlagen zu haben. Das Emissionen, die wegen der Energieproduktion entstehen, wuchsen seit 2014 nicht mehr, wie die International Energy Agency berichtet. Ähnlich war es auch in den frühen 80ern, 1992 und 2009, als die Weltwirtschaft zappelte. Ein solcher Rückgang, angesichts der Tatsache, dass keine großflächigen wirtschaftlichen Probleme existieren, ist aber beispiellos.

Was steckt hinter dem Rückgang? Teil davon ist die sprunghafte Verlangsamung der chinesischen Wirtschaft. Die industrielle Produktion wuchs im April um 5,9 %. Das ist der kleinste Anstieg seit der Weltwirtschaftskrise, die Ende 2008 begann. Die Kohleproduktion fiel um 7,4 %, auch wenn der Bedarf an Strom leicht angestiegen ist.

Ein damit zusammenhängender Faktor ist, dass China weitaus mehr Kohle produziert, als benötigt wird. Grund dafür war die rasend schnelle Industrieexpansion. Während weltweit die Finanzkrise wütete, bot die chinesische Regierung Anleihen 20 % günstiger an, was ungewöhnlich günstig ist.

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Es existiert eine weitere wichtige Verlagerung, die erwähnenswert ist. Industriegiganten sind nicht die einzigen großen Kohleverbraucher – auch Haushalte und kleine Fabriken verbrennen Kohle, um Strom und Wärme zu gewinnen. Die steigende Verfügbarkeit von Strom (und zu einem Teil auch Erdgas), hilft dabei, diese Verbraucher von der Kohlenutzung abzubringen.

Schlussendlich plant China den Kohlestromanteil im Strom-Mix bis 2020 auf unter 62 % zu drücken. Aus den Berichten von Greenpeace/Energydesk China geht hervor, dass China nicht mehr weit von seinem Ziel entfernt ist.

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Das Erreichen des Kohle-Ziels klingt wie gute Nachrichten für die immer wärmer werdende Atmosphäre und die sauren Ozeane, doch sind reduzieren Chinas Erdgasquellen den CO2-Ausstoß nicht so gut, wie oft angenommen wird. Eine mögliche heimische Erdgasquelle, Synthetic Natural Gas (SNG – synthetisches Erdgas) könnte die visuelle Luftverschmutzung (graue Luft, Smog), die für viel Empörung sorgt, reduzieren und die Stabilität der Kommunistischen Partei wahren. Das synthetische Erdgas würde allerdings mehr CO2 produzieren, als die Kohleverbrennung verursacht.

Die Nutzung von SNG könnte auch weitere Kosten mit sich bringen. Sowohl SNG als auch die Expansion der Schieferindustrie könnten Chinas Wasserressourcen gefährlich belasten. Das Große Damm-Bauen in China hat auch seine versteckten Risiken. Reservoirs, die wegen Wasserkraftwerken produziert wurden, werden mit der Steigerung seismischer Aktivitäten in Verbindung gebracht – inklusive dem Erdbeben von Sichuan, das 2008 den Tod von über 80.000 Menschen verursachte. Während China neue Energiequellen umgarnt, wird ein Schwank von diplomatischen, politischen, ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Prioritäten dazu führen, dass die Kohlenutzung auch weiterhin zurückgeht.

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Manfred Strecker ist Politikwissenschaftler und Mitglied bei Greenpeace. Manfred untersucht seit seinem Jugendalter Möglichkeiten, die Umwelt nachhaltig durch Technologie zu verbessern und schreibt darüber auf Energieinitiative.org .
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