Ab 2020 fließt erneuerbarer Strom durch die Nordsee

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In spätestens fünf Jahren werden Deutschland und Norwegen ihren überschüssigen Strom aus erneuerbaren Quellen untereinander austauschen. Der Strom wird dabei über Hochspannungskabel durch die Nordsee hin und her transportiert. Der Bau der 623 km langen Leitungen wurde von beiden Ländern vertraglich definiert, wodurch Norwegen zunehmend zum Akku Europas wird.

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Die NordLink-Verbindungskabel auf dem Schiff Team Oman

Die Speicherung von überschüssigem Strom in Norwegen: andere Länder praktizieren diese Methode schon längst und nun soll auch Deutschland folgen. Der Bau des Nordlink-Kabels wird von Netzbetreiber Statnett (Norwegen), seinem deutsch-niederländischen Pendanten Tennet und der deutschen Staatsbank KfW durchgeführt. Die Verbindung zwischen Tonstad (Norwegen) und Wilster (Schleswig-Holstein) soll in fünf Jahren ihren Dienst aufnehmen. Die NordLink-Verbindung soll Stromengpässe so gut wie möglich ausgleichen, wobei die Preisstabilität jederzeit gewährleistet werden soll. Dabei soll nur überschüssiger Ökostrom nach Norwegen abgeleitet werden, wenn beispielsweise Windkraftwerke wegen starkem Wind mehr Strom produzieren, als benötigt wird.

Norwegen übernimmt die Akku-Funktion

Norwegen verfügt über große Wasservorkommen und große Pumpspeicherkraftwerke. In den Pumpspeicherkraftwerken kann viel Strom durch abwärts fließendes Wasser produziert werden, das darin installierte Turbinen antreibt. Indirekt ist aber auch ein Abspeichern von Strom möglich. Das geht, indem der deutsche Ökostrom die Pumpen im Kraftwerk antreibt, die Wasser nach oben leiten. Kommt es zu einem Engpass in Deutschland, wird das Wasser wieder heruntergelassen und es entsteht Strom, der wieder nach Deutschland geleitet wird. Einfach und effizient. Aber auch die normalen Wasserkraftwerke können in Stromspeichern umgewandelt werden. Dort entsteht Strom durch den natürlichen Wasserfluss. Kommt überschüssiger deutscher Strom in Norwegen an, werden damit norwegische Haushalte und Betriebe beliefert und die Stromproduktion durch das Wasserkraftwerk gedrosselt. Kommt es wiederum in Deutschland zu einem Engpass, wird die Stromproduktion in Norwegen wieder aufgenommen und der Strom zurück geliefert.

Kosten des Projekts: 1,5 – 2 Milliarden Euro

„NordLink wird zu mehr Versorgungssicherheit auf beiden Seiten beitragen“, sagte Sigmar Gabriel bei dem Vertragsabschluss. Die NordLink-Verbindung ermögliche den Austausch erneuerbarer Energien, insbesondere aber von Wasser- und Windkraft zwischen Deutschland und Norwegen.

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Das Verlegen des NordLink Kabels zwischen Norwegen und Deutschland

Markus Scheer, einer der Geschäftsführer der KfW-Bank sagte: „Der NordLink-Interkonnektor zählt zu den bedeutendsten Projekten im europäischen Energiesektor und wird sich entscheidend auf das Energiesystem in Europa auswirken.“. Die KfW finanziert zusammen mit Tennet auf deutscher Seite das NordLink-Projekt. Die Kosten der Investition belaufen sich auf 1,5 – 2 Milliarden Euro. Die Leitungen sollen in einer Tiefe von 410 Metern am Meeresboden entlang verlaufen.

Gleichstrom muss in Wechselstrom gewandelt werden

Trotz der Tatsache, dass sowohl in Deutschland als auch in Norwegen Wechselstrom durch die Leitungen fließt, wird Gleichstrom mit einer Spannung von 500000 Volt durch die NordLink-Leitung fließen, der beim Empfänger wieder in Wechselstrom umgewandelt werden muss. Die Umwandlung wird dabei Konverterstationen stattfinden. Die NordLink-Verbindung hat eine maximale Übertragungskapazität von 1400 Megawatt. Dänemark und die Niederlande haben bereits Verbindungen in Form von Kabeln nach Norwegen und Großbritannien ist fest entschlossen ebenfalls eine Verbindung herzustellen. Angesichts dieser Entwicklung, wird Norwegen zunehmend zu Europas Akku. Dieses Vorhaben stößt bei Umweltschutzorganisationen aber auf Kritik. Die Konsequenzen der immer öfter eintretenden Eingriffe in das Ökosystem der Nordsee können nicht abgeschätzt werden. Was sagst du zu dieser Entwicklung?

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Manfred Strecker
Manfred Strecker ist Politikwissenschaftler und Mitglied bei Greenpeace. Manfred untersucht seit seinem Jugendalter Möglichkeiten, die Umwelt nachhaltig durch Technologie zu verbessern und schreibt darüber auf Energieinitiative.org .
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4 Kommentare

  1. Avatar

    Die Verbindung macht absolut Sinn. Grüne volatile Energie (Wind) mit grüner Energie (Wasserkraft) zu puffern ist besser, als fossile Kraftwerke (Kohle, Gas) zur Regelenergie vorzuhalten, wenn der Wind nicht weht oder zu viel. Es ist auch clever, durch die Gleichstromwandlung und Hochtransformation sowohl die Leitungsverluste zu mindern, als auch die überflüssigen Windstrommengen nicht durch das deutsche Netz zu den fernen Speicherseen Süddeutschlands und der Alpenländer zu führen.
    Nur warum ist Deutschland nicht Vorreiter? Die Holländer sind trotz größerer Entfernung und damit verbundenen Leitungsverlusten nach Norwegen schon dabei. Und warum lamentieren die Umweltaktivisten wieder?

  2. Manfred Strecker

    Vielen Dank für deinen Kommentar, Mathias.

    Wir finden diese Lösung auch ganz gut und außerordentlich interessant. Weshalb Deutschland jetzt erst reagiert, ist fraglich. Aber besser spät als nie.

    Umweltaktivisten warnen vor den Ritzen im Meeresboden, in welche die Kabel gelegt werden sollen. Ich vermute, dass es jetzt noch kein Problem darstellt. Sollten weitere Kabel folgen, wäre das Risiko nicht abzuschätzen. Sicherlich wird sich die Forschung rechtzeitig darum bemühen die langfristigen Folgen herauszufinden.

    • Avatar

      Hallo Manfred,
      danke für die Info mit den Ritzen – ja das muss man im Auge behalten.

      Guter Artikel! Würde gerne aktuelle Beiträge bei Euch weiterverfolgen. Leider habt Ihr keinen Newsletter und es gibt auch keine Nachricht bei Antworten auf die Kommentare.

      Viele Grüße
      Mathias

      • Manfred Strecker

        Das sollte man auf jeden Fall im Auge behalten. 🙂

        Wir sind gerade dabei eine Newsletterfunktion einzurichten. Das mit den Kommentarbenachrichtigungen werden wir mal prüfen. Danke für die Info.

        LG

        Manfred

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